Eine Schule wird insektenfreundlich

Eine Schule wird insektenfreundlich

Vor fünf Jahren startete das Projekt von Stefanie Kneidl. Die Schülerin aus dem bayerischen Laufen blickte jeden Tag auf einen tristen Pausenhof. Dadurch entstand ihre Idee für eine insektenfreundliche Verwandlung. Das Ziel: Lebensraum für Tiere schaffen und das mit minimalsten Kosten. Begonnen hat es deswegen im Kleinen – mit gemeinsamen Pflanzaktionen zusammen mit ihrer Mutter:

“Ursprünglich war das Projekt gar nicht so groß geplant, wie es jetzt ist. Ich hab’ einfach mal mit dem Einpflanzen von daheim überschüssigen Blumen angefangen, um dem Artensterben nach meinen Möglichkeiten etwas entgegenzusetzen. Wenn man dann die wachsende Zahl der Insekten sieht, merkt, wie viele Menschen man erreicht und inspiriert und immer mehr Ideen umsetzt, wächst es von ganz alleine – fast wie der Garten!”

– Stefanie Kneidl

Lebensräume wachsen

Durch Stefanies Einsatz sind im Garten ihrer Schule die Lebensräume förmlich aus dem Boden geschossen. Im “Raupengarten” finden die Raupen von Bläulingen Nahrung am Wundklee (Anthyllis vulneraria). Zwischen Dost (Origanum) und Rossminze (Mentha longifolia) tummeln sich nektersaugende Schmetterlinge. Und auch die Schenkelbienen kommen auf ihre Kosten: Sie finden neben einem Sandarium auch das für sie wichtige Öl am Gilbweiderich (Lysimachia).

Wohnstätten für Insekten gibt es heute reichlich auf dem Schulhof. Im Totholzhaufen hat eine Grabwespe (Passaloecus eremita) die Löcher bezogen und unverkennbar ihre Spuren hinterlassen – Harzverschlüsse mit Tröpfchen außen herum. Markhaltige Stängel hängen an verschiedenen Orten, zum Beispiel im Raupengarten. Insbesondere verschiedene solitär lebende Wildbienen nutzen sie als Kinderstube. Stefanie beobachtet die Erfolge genau, sie dokumentiert, an welchen Orten die Nistangebote angenommen wurden und wo scheinbar sogar schon Insekten geschlüpft sind. Und sogar die Spezialisten unter den Wildbienen finden ein Zuhause: Nahe des Sandariums stehen mittlerweile Schneckenhäuser zum Einzug bereit. Klar, für die Schneckenhausbiene.

Das Anlegen der Lebensräume wurde längst mit Beobachtungen belohnt. Allein unter den Wildbienen konnte Stefanie zahlreiche Arten entdecken (Stand 2024):

  • Furchenbiene (Lasioglossum)
  • Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta)
  • Gelbbindige Furchenbiene (Halictus scabiosae)
  • Gewöhnliche Keulhornbiene (Ceratina cyanea)
  • Gold-Furchenbiene (Halictus subauratus)
  • Große Wollbiene (Anthidium manicatum)
  • Löcherbiene (Osmia truncorum)
  • Platterbsen-Mörtelbiene (Megachile ericetorum)
  • Schwarzspornige Stängel-Mauerbiene (Osmia leucomelana)
  • Smaragdgrüne Schmalbiene (Lasioglossum morio)

Daneben leben allerlei Hummeln, Schwebfliegen, Schmetterlinge, Grashüpfer – und viele andere Tiere – auf dem insektenfreundlichen Schulhof.

Über den Tellerrand

Das Projekt wirkt über den Schulhof hinaus. Denn Stefanie geht es auch um die natur- und klimaverträgliche Nutzung von Ressourcen:

“Mir ist aufgefallen, dass die Biomüll-Behälter am Friedhof in Laufen immer extrem voll sind, sowohl mit Abfall als auch mit abgeblühten, aber noch lebenden mehrjährigen Pflanzen und Graberde. In letzterer ist Torf enthalten, der bekanntlich nur eine endliche Ressource ist.”

– Stefanie Kneidl

In Absprache mit der Stadt begann sie, die Abfallbehälter für ihr Projekt zu verwenden. Die ausgediente Blumenerde fand in der Schule einen neuen Platz. Die Folge: Der geschädigte Boden wurde immer besser. Auch die Pflanzen vom Friedhof haben ein neues Leben geschenkt bekommen. Günsel, Primeln, Farne und Co. wachsen nun an einer Buchenhecke.

Nachmachen erwünscht

Das Wissen aus ihrem Projekt teilt Stefanie auch mit Anderen. Aktuelle Beobachtungen teilt sie mit der Lehrerschaft – mit dem Wunsch, dass die Natur vor dem Klassenfenster auch in den Unterricht einfließt. Schilder informieren die Schüler*innen über das Projekt und sensibilisieren für das Thema Artensterben. Mit Folgen: Mittlerweile haben Stefanie und der Schulgarten Unterstützung durch weitere junge Insektenschützer*innen bekommen.

Auch außerhalb des Schulgeländes stößt die insektenfreundliche Verwandlung auf Interesse: In Zeitungsartikeln und Radiosendungen wird über das Projekt berichtet. Zuletzt war Stefanie sogar in der Gartensendung “Querbeet” zu Besuch. Darüber hinaus trägt Stefanie ihre Ideen in Vorträgen und Ausstellungen auch an andere Schulen.

„Unser Schulgelände wird mit minimalsten Kosten insektenfreundlich!“ – der Projektname ist Programm. An dem Erfolg gibt es angesichts der Insekten-Beobachtungen keinen Zweifel. Und auch in finanzieller Hinsicht beweist das Projekt: Eine naturnahe Verwandlung ist auf jedem Schulhof möglich! Über die Jahre hinweg beliefen sich die Kosten nur auf knapp über 100 € (Stand 2024), ein großer Teil davon wurde bei Veranstaltungen an der Schule eingenommen.

Genau das wünscht sich Stefanie: Dass auch an vielen anderen Schulen Insektengärten entstehen. Darin sieht sie vor allem eine Wiedergutmachung:

“Mein Projekt soll ein Ausgleich sein – dafür, dass wir Menschen so viele Lebensräume zerstört haben. Dafür, dass wir mit Insektiziden um uns werfen und nicht darauf achten, was für eine Kettenreaktion wir auslösen.”

– Stefanie Kneidl

Preisgekrönt

In den Jahren 2022 und 2024 hat Stefanie mit ihrem Projekt erfolgreich beim BundesUmweltWettbewerb (BUW) teilgenommen. Jetzt ist sie für den Deutschen Engagementpreis nominiert: https://www.deutscher-engagementpreis.de/engagiertenfinder/engagiertendetails/6180-stefanie-kneidl Bis zum 26. Oktober kann dort auch für den Publikumspreis abgestimmt werden.

Wir als NaturGarten e.V. danken Stefanie für ihren Einsatz und die Inspiration, die hoffentlich in vielen anderen Schulen ebenfalls Lebensräume aus dem Boden wachsen lässt!

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