Ich könnte – wie alle zwei Jahre – wieder diesen Erfolgsbericht schreiben. Wie gut der Messestand wieder mal besucht worden war, wie viele Leute wieder zum ersten Mal in ihrer beruflichen Laufbahn vom NaturGarten e.V. gehört haben, wie viele neue Mitglieder wir wieder gewinnen konnten (33), wie viele Hefte der Natur&Garten und Bücher wir in die Welt da draußen geschickt haben, wie vielen jungen Pflänzchen wir endlich das Wasser zum Leben geben konnten, nach dem sie schon so lange gesucht haben, wie proppenvoll mein Vortrag über naturnahe Trends im Naturgarten im GaLaBau-Forum mal wieder war… Ich könnte also…
Doch diesmal ist es anders. Diesmal ist dieser Bericht persönlicher. Denn das war mein letztes Mal, dass ich vier Tage auf dem Messestand der größten europäischen Fachmesse stand. Aus gutem Grund. Aus vielen guten Gründen. Um das zu verstehen, dürfen wir zurückblicken.
1996 gab es in Halle 4 den ersten Messestand des NaturGarten e.V. Regina Kohler, die damalige Mitvorständin und die Geschäftsführerin hatte ein Partyzelt aufstellen lassen, das so eng war, dass man schon aufpassen musste, wenn man an dem Campingtisch ganz vorne am Eingang vorbei zu den Infomaterialien wollte. Denn auf dem stand mein Diaprojektor mit einem Magazin von 36 Bildern, die in Dauerschleife auf eine wellige Leinwand strahlten, die hinten im Zelt stand. Bitte aufpassen beim Vorbeigehen!
Dieser Messestand war primitiv gegenüber demjenigen heute und man würde darüber lachen können. Die Botschaft war es nicht. Sie war vor 30 Jahren wichtig und ist es heute mehr denn je. Wir vertreten das Leben. Das Leben all jener, die da nicht stehen können und sich nicht verkaufen lassen. Die nie verkauft werden können und dürfen. Die einfach da sind. Und bleiben müssen, egal was wir Menschen momentan oder auch schon lange mit dieser Welt anstellen.
Darum ist unser NaturGarten e.V.-Stand in Halle 4 eine feste Größe auf der GaLaBau. Wir müssen da einfach sein, weil kein anderer es tut. Deshalb war ich 30 Jahre lang jeweils vier Tage einer der drei Standbetreuer. Und jetzt ist es gut – denn es gibt so viele Junge und Neue, die diese Idee tragen und dort mit genau derselben Begeisterung stehen wie ich.
Was haben wir erreicht, außer, dass es uns immer noch gibt?
Erstens, die feste Größe zu sein. Am Anfang war es immer fraglich, ob wir auf die Messe gehen können. Das Geld war knapp und die rund 10.000 €, die der Stand heute kostet, waren in DM-Zeiten eben 10.000 DM. Viel für einen so kleinen Haushalt. Deswegen haben wir auch im Jahr 1998 einmal aussetzen müssen. Eine zeitlang bezuschussten dann die Fachbetriebe für naturnahes Grün den Stand. Und als dann ab 2009 der Naturgarten-Profikurs kam, gab es wieder einen neuen Grund da zu stehen. Wie anders sollten wir sonst an den Nachwuchs herankommen?
Und das tun wir heute mehr denn je. Die Azubis, die früher mit ihren Tüten voller Werbung und Plastikeimern mit den Logos von Baustoff- und Maschinenherstellern an uns vorbei trollten, kommen inzwischen wegen uns zu uns.
Dieses Mal war unser Angebot für den Nachwuchs besonders gewachsen. Fünf Kurse bietet die Naturgarten-Akademie inzwischen an und Kursleiterin Anne Buchacker-Winter stand selber drei Tage am Stand. Bildungsmäßig sind wir also weit gekommen.
Was wir vorüber ziehen lassen mussten, ist die Zusammenarbeit mit dem Bundesverband GaLaBau. Ich rede seit 30 Jahren mit denselben zwei für Bildung verantwortlichen Kollegen. Und immer wieder beton(t)en sie, wie groß ihr Interesse am Naturnahen sei. Aber das sind nur Lippenbekenntnisse gewesen. 2026 und 2027 gehen diese beiden Kollegen in den Ruhestand. Zusammen was vernünftiges mit der GaLaBau-Branche aufzustellen, haben wir nicht geschafft. Schade.
Dafür sind wir, siehe oben, in so vielen anderen Bereichen hochprofessionell geworden. Und es gibt so viele neue Leute, junge Leute, die das wuppen. Dafür ein kleines Bespiel. Wir machen am Stand immer einen internen Wettbewerb, wer die meisten Mitglieder wirbt. Dazu muss man jemanden, der von der Idee überzeugt ist, dazu bringen, den Antrag direkt am Stand zu unterschreiben. Was früher aus purer Finanznot geschah und uns half, den Stand mitzufinanzieren, ist heute mehr ein Spaß. Es ist schwer diese Challenge gegen einen Reinhard Witt zu gewinnen. Und man muss es auch nicht. Es ist ja nur ein Spaß, mit dem wir uns am Stand gegenseitig anstacheln und worüber wir unsere Witzchen machen. Der Gewinner bekommt vom Verlierer abends ein Kaltgetränk bezahlt. Das war früher meistens ein Bier. Heute kann es auch eine Flasche Mineralwasser sein. Und, wie schön, ich verliere diesen internen Wettbewerb immer öfter. Am Dienstag beispielsweise stand es, Mann gegen Mann, 3:1 gegen mich. Am Donnerstag sogar 7:0.
Ist das nicht ein gutes Zeichen? Wir haben so viele Ziele erreicht: 1. sind wir inzwischen die besagte feste Größe auf der GaLaBau. 2. haben wir genug Mitglieder, um den Stand zu bezahlen. 3. hat die GaLaBau geholfen, auf die Fachbetriebe für naturnahes Grün aufmerksam zu machen. 4. hat sie die ersten Jahre unsere Naturgarten-Profikurse gefüllt. Und 5. haben wir jetzt mit der Naturgarten-Akademie ein breites, ansprechendes Fort- und Weiterbildungsangebot.
Ich muss nicht mehr da sein. Und es läuft trotzdem. Deswegen war 2026 auch mein letztes Mal. 2028 zur nächsten GaLaBau wäre ich ja schon fast über das Rentenalter hinaus. Sicher werde ich noch mal einen Vortrag halten bei den GaLaBau-Kollegen, um deren Vortragsforum zu füllen. Und um selbst über die Messe zu laufen, nur um wieder und wieder zu erkennen, dass wir fast alles, was da angeboten und verkauft wird, nicht brauchen. Wirklich: fast alles. Denn das Leben auf diesem Planeten kann mal weder kaufen noch verkaufen.
PS: Einen Riesendank auch ans diesjährige Messeteam um Birgit Helbig, das den wunderbaren Messestand auf- und auch wieder abgebaut hat. Danke an Kerstin Gruber, die es 20 Jahre davor in ihren Händen hatte. Danke an die vielen, vielen Standbetreuer für ihre Zeit und Lust, sich für unsere Ideen den Mund fusselig zu reden. Und danke an Euch alle, die ihr mit eurer Mitgliedschaft den Messeauftritt des Naturgartenvereins finanziert. In diesem Sinne: weiter so.
Reinhard Witt
Anne Buchacker-Winter (rechts), Kursleiterin der Naturgarten-Akademie wollte sich nicht entgehen lassen, wie die Kundschaft auf das Messeangebot reagiert: Sie war überwältigt von der Resonanz. Die Naturgarten Akademie stand dieses Mal im Fokus des Messestandes. Zu Recht. Das Angebot der fünf Kurse deckt nahezu alle Interessentengruppen ab.Andy Bosch (rechts), Mitarbeiter des Gartenamts Stuttgart mit Schwerpunkt Natur-Erlebnis-Räume, ebenfalls schon ewig mit dabei und einer der besten Mitgliederwerber auf der Messe.
Ich könnte – wie alle zwei Jahre – wieder diesen Erfolgsbericht schreiben. Wie gut der Messestand wieder mal besucht worden war, wie viele Leute wieder zum ersten Mal in ihrer beruflichen Laufbahn vom NaturGarten e.V. gehört haben, wie viele neue Mitglieder wir wieder gewinnen konnten (33), wie viele Hefte der Natur&Garten und Bücher wir in die Welt da draußen geschickt haben, wie vielen jungen Pflänzchen wir endlich das Wasser zum Leben geben konnten, nach dem sie schon so lange gesucht haben, wie proppenvoll mein Vortrag über naturnahe Trends im Naturgarten im GaLaBau-Forum mal wieder war… Ich könnte also…
Doch diesmal ist es anders. Diesmal ist dieser Bericht persönlicher. Denn das war mein letztes Mal, dass ich vier Tage auf dem Messestand der größten europäischen Fachmesse stand. Aus gutem Grund. Aus vielen guten Gründen. Um das zu verstehen, dürfen wir zurückblicken.
1996 gab es in Halle 4 den ersten Messestand des NaturGarten e.V. Regina Kohler, die damalige Mitvorständin und die Geschäftsführerin hatte ein Partyzelt aufstellen lassen, das so eng war, dass man schon aufpassen musste, wenn man an dem Campingtisch ganz vorne am Eingang vorbei zu den Infomaterialien wollte. Denn auf dem stand mein Diaprojektor mit einem Magazin von 36 Bildern, die in Dauerschleife auf eine wellige Leinwand strahlten, die hinten im Zelt stand. Bitte aufpassen beim Vorbeigehen!
Dieser Messestand war primitiv gegenüber demjenigen heute und man würde darüber lachen können. Die Botschaft war es nicht. Sie war vor 30 Jahren wichtig und ist es heute mehr denn je. Wir vertreten das Leben. Das Leben all jener, die da nicht stehen können und sich nicht verkaufen lassen. Die nie verkauft werden können und dürfen. Die einfach da sind. Und bleiben müssen, egal was wir Menschen momentan oder auch schon lange mit dieser Welt anstellen.
Darum ist unser NaturGarten e.V.-Stand in Halle 4 eine feste Größe auf der GaLaBau. Wir müssen da einfach sein, weil kein anderer es tut. Deshalb war ich 30 Jahre lang jeweils vier Tage einer der drei Standbetreuer. Und jetzt ist es gut – denn es gibt so viele Junge und Neue, die diese Idee tragen und dort mit genau derselben Begeisterung stehen wie ich.
Was haben wir erreicht, außer, dass es uns immer noch gibt?
Erstens, die feste Größe zu sein. Am Anfang war es immer fraglich, ob wir auf die Messe gehen können. Das Geld war knapp und die rund 10.000 €, die der Stand heute kostet, waren in DM-Zeiten eben 10.000 DM. Viel für einen so kleinen Haushalt. Deswegen haben wir auch im Jahr 1998 einmal aussetzen müssen. Eine zeitlang bezuschussten dann die Fachbetriebe für naturnahes Grün den Stand. Und als dann ab 2009 der Naturgarten-Profikurs kam, gab es wieder einen neuen Grund da zu stehen. Wie anders sollten wir sonst an den Nachwuchs herankommen?
Und das tun wir heute mehr denn je. Die Azubis, die früher mit ihren Tüten voller Werbung und Plastikeimern mit den Logos von Baustoff- und Maschinenherstellern an uns vorbei trollten, kommen inzwischen wegen uns zu uns.
Dieses Mal war unser Angebot für den Nachwuchs besonders gewachsen. Fünf Kurse bietet die Naturgarten-Akademie inzwischen an und Kursleiterin Anne Buchacker-Winter stand selber drei Tage am Stand. Bildungsmäßig sind wir also weit gekommen.
Was wir vorüber ziehen lassen mussten, ist die Zusammenarbeit mit dem Bundesverband GaLaBau. Ich rede seit 30 Jahren mit denselben zwei für Bildung verantwortlichen Kollegen. Und immer wieder beton(t)en sie, wie groß ihr Interesse am Naturnahen sei. Aber das sind nur Lippenbekenntnisse gewesen. 2026 und 2027 gehen diese beiden Kollegen in den Ruhestand. Zusammen was vernünftiges mit der GaLaBau-Branche aufzustellen, haben wir nicht geschafft. Schade.
Dafür sind wir, siehe oben, in so vielen anderen Bereichen hochprofessionell geworden. Und es gibt so viele neue Leute, junge Leute, die das wuppen. Dafür ein kleines Bespiel. Wir machen am Stand immer einen internen Wettbewerb, wer die meisten Mitglieder wirbt. Dazu muss man jemanden, der von der Idee überzeugt ist, dazu bringen, den Antrag direkt am Stand zu unterschreiben. Was früher aus purer Finanznot geschah und uns half, den Stand mitzufinanzieren, ist heute mehr ein Spaß. Es ist schwer diese Challenge gegen einen Reinhard Witt zu gewinnen. Und man muss es auch nicht. Es ist ja nur ein Spaß, mit dem wir uns am Stand gegenseitig anstacheln und worüber wir unsere Witzchen machen. Der Gewinner bekommt vom Verlierer abends ein Kaltgetränk bezahlt. Das war früher meistens ein Bier. Heute kann es auch eine Flasche Mineralwasser sein. Und, wie schön, ich verliere diesen internen Wettbewerb immer öfter. Am Dienstag beispielsweise stand es, Mann gegen Mann, 3:1 gegen mich. Am Donnerstag sogar 7:0.
Ist das nicht ein gutes Zeichen? Wir haben so viele Ziele erreicht: 1. sind wir inzwischen die besagte feste Größe auf der GaLaBau. 2. haben wir genug Mitglieder, um den Stand zu bezahlen. 3. hat die GaLaBau geholfen, auf die Fachbetriebe für naturnahes Grün aufmerksam zu machen. 4. hat sie die ersten Jahre unsere Naturgarten-Profikurse gefüllt. Und 5. haben wir jetzt mit der Naturgarten-Akademie ein breites, ansprechendes Fort- und Weiterbildungsangebot.
Ich muss nicht mehr da sein. Und es läuft trotzdem. Deswegen war 2026 auch mein letztes Mal. 2028 zur nächsten GaLaBau wäre ich ja schon fast über das Rentenalter hinaus. Sicher werde ich noch mal einen Vortrag halten bei den GaLaBau-Kollegen, um deren Vortragsforum zu füllen. Und um selbst über die Messe zu laufen, nur um wieder und wieder zu erkennen, dass wir fast alles, was da angeboten und verkauft wird, nicht brauchen. Wirklich: fast alles. Denn das Leben auf diesem Planeten kann mal weder kaufen noch verkaufen.
PS: Einen Riesendank auch ans diesjährige Messeteam um Birgit Helbig, das den wunderbaren Messestand auf- und auch wieder abgebaut hat. Danke an Kerstin Gruber, die es 20 Jahre davor in ihren Händen hatte. Danke an die vielen, vielen Standbetreuer für ihre Zeit und Lust, sich für unsere Ideen den Mund fusselig zu reden. Und danke an Euch alle, die ihr mit eurer Mitgliedschaft den Messeauftritt des Naturgartenvereins finanziert. In diesem Sinne: weiter so.
Reinhard Witt
Fotos: Reinhard Witt