Der Naturkleingarten als Trittsteinbiotop

Ein Beitrag von Tina van Wesel

Werde ich als Kleingärtnerin automatisch auch zur Naturschützerin? Diese Frage stellte ich mir, als ich las, dass die Kleingärten seit 2022 im Bundesnaturschutzgesetz aufgeführt sind. Damit sollen sie, wie andere Freiräume im besiedelten und siedlungsnahen Bereich auch, erhalten werden. Fakt ist, dass in Kleingartenanlagen insgesamt mehr Artenvielfalt anzutreffen ist als in ihrem städtischen Umfeld. Dabei sind unsere Kleingärten oft sehr unterschiedlich. Auch wenn manch einer noch glaubt, Kleingärtner wären Giftspritzer, so gibt es seit Jahren einen Trend zur Aufklärung zum ökologisch wertvollen, naturnahen Gärtnern.

Angefangen beim Bundesverband (www.kleingaerten-biologische-vielfalt.de) über den Landesverband bis zum Stadtverband mit diversen Kursen zu dem Thema. Die große Klammer bildet folgender Satz des Bundeskleingartengesetzes (übernommen auch in der Essener Gartenordnung): „Die Belange des Umweltschutzes, des Naturschutzes und der Landschaftspflege sollen bei der Nutzung und Bewirtschaftung des Kleingartens berücksichtigt werden.“ Allein schon der Verzicht auf Pestizide und Torf sowie die Anlage eines Komposts sind wichtige Schritte in die richtige Richtung und deshalb explizit in der Gartenordnung des Stadtverbands Essen genannt.

Jede noch so kleine Veränderung hin zur naturnahen Gestaltung kann sich auf die Artenvielfalt auswirken. Das zeigen uns unten die Ausschnitte des Plakats 1 der Unga­rischen Entomologischen Gesellschaft eindrucksvoll. Entomologen, das sind die Insektenkundler.

Ihr Fazit: Je abwechslungsreicher der Garten ist, also je mehr naturnahe Strukturen er hat, desto mehr Insekten finden sich dort ein. Und Insekten sind die Hauptnahrungsquelle von Vögeln, Fledermäusen, Igeln und Fröschen, die wiederum Nahrungsquelle für größere Tiere sind.

Wir können also direkten Einfluss auf die Artenvielfalt in unseren Gärten nehmen.

Diese unterschiedlichen Strukturen helfen aber auch direkt den Fressfeinden der Insekten: Sie sind Teillebensräume für diese Tiere.

Ein Bergmolch zum Beispiel benötigt im Laufe seines Lebens verschiedene Lebensräume: Als Larve bleibt er bis zum Sommer im Teich, danach ist er an Land unterwegs. Tagsüber ist er dann in schattigen, feuchten und kühlen Verstecken wie Laubhaufen, Steinhaufen oder Totholz zu finden. Wenn diese Verstecke frostfrei sind, werden sie auch für die Winterruhe, die von zirka Oktober bis März geht, genutzt. Zur Fortpflanzung wird dann ab März bis Juni wieder der Teich gebraucht. Während seines Landgangs im Spätsommer macht der nachtaktive Bergmolch Jagd auf Insekten, Würmer und Spinnen in der artenreichen Wiese. Sein Revier beträgt normalerweise nur zirka 100 Meter, allerhöchstens 600 Meter entfernt von einem Gewässer.

Trittsteinbiotope schaffen Verbindungen

Jetzt haben wir also einen Garten mit naturnahen Strukturen, mit denen wir die Insekten und auch andere Tiere unterstützen.

Aber kann ein einzelner Garten wirklich helfen? Ja, kann er!

Naturnahe Gärten sind Trittstein­biotope für unsere Tierwelt. Trittsteinbiotope bilden kleine Lebensinseln, wo Tiere Schutz und Nahrung finden. Selbst der kleinste Garten hilft, die Vielfalt zu erhalten und zu fördern.

Trittsteinbiotope verbinden nämlich größere Biotope wie Wald, Bach und Wiese miteinander, ähnlich einem Wanderkorridor. So geben sie Tieren mit kleinem ­Aktivitätsradius, wie zum Beispiel der Wildbiene, die Möglichkeit neue Lebensräume zu erobern.

In Deutschland gibt es knapp 900.000 Kleingärten. Wie wirksam wären diese 900.000 Trittsteine … und dann noch die 17 Mio. Privatgärten …

Werden wir also zu Naturschützern mit unseren Kleingärten und leisten wir so unseren Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt!

So können wir uns dann auch auf das Bundesnaturschutzgesetz berufen, wenn es im schlimmsten Fall um den Erhalt der Kleingartenanlage gehen sollte.

Macht alle mit! Jeder m2 zählt!

Literaturtipp:

Der naturnahe Kleingarten, Fachmagazin Natur & Garten 1/2023

Neugierig? Führungen, Pflanzenliste, Gartenpläne und Kontakt gibt es unter: tinasnaturkleingarten@web.de

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