Ich werde immer mal wieder gefragt, wie ich denn meinen Garten geplant habe. Ich habe ihn nie von Anfang an und im Ganzen geplant. Alles fing klein an und ging Schritt für Schritt. Im März 2016, also vor 10 Jahren bekam ich den Schlüssel und ich hielt mich an den Tipp der Gartenzeitschriften für Gartenneulinge: Erst einmal beobachten, was sich im Laufe des Jahres im Garten so alles zeigt.
Also habe ich mich im ersten Jahr erst einmal der Renovierung der Laube gewidmet. Natürlich gab es schon die eine oder andere Pflanze, welche wegen Nicht-Gefallens verschenkt wurde oder auf dem Kompost landete. Außerdem legte ich meine erste Unbedingt-haben-wollen-Liste mit Wunschpflanzen an, die überwiegend aus typischen Alpenwiesenbewohnern bestand: Hornklee, Storchschnabel, Taubenkopf-Leimkraut, Kuckucks-Lichtnelke, Glockenblume, Vergissmeinnicht, Johanniskraut, Ehrenpreis … Zeitgleich habe ich an VHS-Exkursionen teilgenommen, die mir unsere heimische Flora näherbrachten und ich war ganz erstaunt, dass es das, was ich im Urlaub bewunderte, auch hier um die Ecke gab. Aber leider konnte ich nicht mal eben ins Gartencenter shoppen gehen, denn diese Pflanzen gab und gibt es auch heute größtenteils noch nicht dort. Meine Shopping-Recherche führte mich unweigerlich zum Naturgartenverein, wo genau diese heimischen Pflanzen im Mittelpunkt stehen. Hier werden zwar keine Pflanzen verkauft, aber Kontakte zu Profis und Fachbetrieben vermittelt. Mein erster Besuch eines Naturgartens begeisterte mich so dermaßen, so etwas wollte ich auch! Dieser Garten einer Naturgartenplanerin hatte verschiedenste „Räume“ mit den verschiedensten Pflanzen und immer harmonisch eingebetteten Naturgartenelementen.
Aber einen 400 Quadratmeter großen Garten baut man nicht mal eben um, zumal der Urzustand aus kurzgeschorenem Rasen, Kirschlorbeerhecke und gerade gezogenen Beeten bestand. Hinzu kommt als Schwierigkeitsfaktor die allgegenwärtige Hanglage. Außerdem der Mangel an einer großen Schar von helfenden Heinzelmännchen. Die Lösung war also ganz pragmatisch: Was sah am unschönsten aus? Was schrie nach schnellstmöglicher Veränderung? Und wo hatte ich schon eine Idee im Kopf? Ich hatte mir zuvor aus Zeitschriften und vielen Büchern Beispiele kopiert und an eine Magnettafel geheftet (neudeutsch: Moodboard oder auch Pinterest in analog). Außerdem hatte ich mir weitere Naturgärten angeschaut, um Ideen zu „klauen“.
Das erste kleinere Projekt war ein Staketenzaun als Abgrenzung zum Hauptweg. Der vorhandene hässliche Maschendrahtzaun blieb erhalten, da man in ihn gut markgefüllte Stängel als Wildbienennisthilfen einflechten kann. An den Staketenzaun baute ich eine Mini-Benjeshecke samt Käferkeller, so konnte ich viel Obstbaumschnittgut unterbringen. Zwei Jahre später kamen dann die beiden rankenden (Wild-)Rosen als Begleiter hinzu. Als erstes größeres Projekt beschloss ich die Hang-/Beetbefestigung im oberen Bereich zu erneuern: Statt der hässlichen, riesengroßen, senkrecht aufgestellten Gehwegplatten sollte eine Trockenmauer gebaut werden. Für das nötige Fachwissen kaufte ich mir das passende Buch aus dem Pala-Verlag. Da konnte doch nichts schiefgehen! 😉 Allerdings brauchte ich für den Bau etwas länger als gedacht, da die Steine seeeeeehr schwer waren und teils nur zu zweit bewegt werden konnten. Aber die Trockenmauer steht heute noch.
Als einer der wichtigsten Aufgaben war zu Anfang auch die vom Wertermittler zurecht auferlegte Entsiegelung. Für die ersten Gehwegplatten hatte ich noch Abnehmer, aber später war mein Ziel, sie selbst zu verwerten. Mit ihnen kann man tolle Trockenmauern oder Pyramiden bauen und durch ihre gleichmäßige Plattenhöhe ist dies auch relativ einfach.
2019 wagte ich mich an den Blumen-/Kräuterrasen, der eine große gestalterische Veränderung brachte. Der selbstgebaute und etwas verwunschene Fake-Brunnen des Vorpächters bekam so einen passenden Rahmen. Das habe ich in dem Seminar einer Naturgartenplanerin gelernt: Was ist der Geist oder das Geheimnis des Ortes (Genius loci), in unserem Fall des Gartens und wie können wir diesen unterstützen und hervorheben? Denn als ich das erste Mal meinen Garten betrat und den Brunnen auf dem Rasen sah, war mir klar: Ich mache aus diesem Garten einen „Märchengarten“ mit vielen verwunschenen Orten und verspielten Elementen. Deswegen finden sich bei mir auch immer wieder Froschkönige, Pilze und sogar eine getöpferte Arielle. Auch eine kleinere Wiesenfläche wurde von mir in ein Staudenbeet mit Barfußpfad verwandelt. Hier kann man ganz viel entdecken, mit den Füßen und mit den Augen.
Apropos entdecken: Ich habe an vielen Stellen Sitzmöglichkeiten eingeplant, zum Verweilen, zum Genießen, zum Beobachten. Besonders wichtig sind mir auch Sichtachsen. Will ich Baumstümpfe als stehendes Totholz verwenden, muss ich den neuen Standplatz von allen Seiten betrachten und er muss sich harmonisch in die Umgebung einfügen.
Vieles kann man auch gar nicht planen, manchmal hat man einfach etwas zu viel Lehmboden über und hat dann die Idee eines Grassoden-/Lehmwalls als Abgrenzung zum Beet im Hortus Ruhrpottgesumm gesehen oder der Nachbar fällt seinen Apfelbaum und man verwertet einfach alles als Totholz. Das passiert schon mal relativ spontan.
Als ich kurz vor meiner Naturgartenprämierung war, habe ich versucht, mich in die Naturgartenprämierer hineinzuversetzen, um zu schauen, was dem Garten noch fehlen könnte. Andersherum versuche ich mich aber auch in meinen Pa hineinzuversetzen, was er wohl anmerken würde, wo er doch mit typisch ordentlichen, penibel gepflegten Gärten aufgewachsen ist.
So versuche ich einen guten Mittelweg zu finden, sowohl dem einen als auch dem anderen gerecht zu werden und doch immer den Tieren, insbesondere den Insekten eine gute Lebensgrundlage zu bieten und auch mich somit letzten Endes zufriedenzustellen.
Was mir zu Beginn sehr geholfen hätte, wäre ein Naturgartenplaner.
Also keine Person, sondern ein Plan des Gartens mit den dazugehörigen Bauten, Beeten und Wegen, aber auch mit den laut Gartenordnung notwendigen Anbauflächen, Kompost und Wasserauffangbehältern als verschiebbare Papierelemente.
Wenn ich umgezogen bin, hatte ich so etwas immer für die neue Wohnung gebastelt. Warum also nicht auch für den Garten? Für den Naturgartentag 2025 am Haus Ripshorst ist der Naturgartenplaner entstanden. Dort haben wir die laminierten und zurechtgeschnittenen Elemente mit Magneten versehen, damit sie nicht wegfliegen oder verrutschen. Aber ihr könnt den Naturgartenplaner auch einfach nur ausdrucken und ausschneiden.
Ihr findet die Naturgartenplaner-PDF im Downloadbereich unter: https://kleingärten-essen.de/download.
Viel Spaß beim Ausprobieren!
Neugierig? Führungen, Pflanzenliste, Gartenpläne und Kontakt gibt es unter: tinasnaturkleingarten@web.de
Foto: Die Elfe bewacht die Trockenmauer
Ein Beitrag von Tina van Wesel
Ich werde immer mal wieder gefragt, wie ich denn meinen Garten geplant habe. Ich habe ihn nie von Anfang an und im Ganzen geplant. Alles fing klein an und ging Schritt für Schritt. Im März 2016, also vor 10 Jahren bekam ich den Schlüssel und ich hielt mich an den Tipp der Gartenzeitschriften für Gartenneulinge: Erst einmal beobachten, was sich im Laufe des Jahres im Garten so alles zeigt.
Also habe ich mich im ersten Jahr erst einmal der Renovierung der Laube gewidmet. Natürlich gab es schon die eine oder andere Pflanze, welche wegen Nicht-Gefallens verschenkt wurde oder auf dem Kompost landete. Außerdem legte ich meine erste Unbedingt-haben-wollen-Liste mit Wunschpflanzen an, die überwiegend aus typischen Alpenwiesenbewohnern bestand: Hornklee, Storchschnabel, Taubenkopf-Leimkraut, Kuckucks-Lichtnelke, Glockenblume, Vergissmeinnicht, Johanniskraut, Ehrenpreis … Zeitgleich habe ich an VHS-Exkursionen teilgenommen, die mir unsere heimische Flora näherbrachten und ich war ganz erstaunt, dass es das, was ich im Urlaub bewunderte, auch hier um die Ecke gab. Aber leider konnte ich nicht mal eben ins Gartencenter shoppen gehen, denn diese Pflanzen gab und gibt es auch heute größtenteils noch nicht dort. Meine Shopping-Recherche führte mich unweigerlich zum Naturgartenverein, wo genau diese heimischen Pflanzen im Mittelpunkt stehen. Hier werden zwar keine Pflanzen verkauft, aber Kontakte zu Profis und Fachbetrieben vermittelt. Mein erster Besuch eines Naturgartens begeisterte mich so dermaßen, so etwas wollte ich auch! Dieser Garten einer Naturgartenplanerin hatte verschiedenste „Räume“ mit den verschiedensten Pflanzen und immer harmonisch eingebetteten Naturgartenelementen.
Aber einen 400 Quadratmeter großen Garten baut man nicht mal eben um, zumal der Urzustand aus kurzgeschorenem Rasen, Kirschlorbeerhecke und gerade gezogenen Beeten bestand. Hinzu kommt als Schwierigkeitsfaktor die allgegenwärtige Hanglage. Außerdem der Mangel an einer großen Schar von helfenden Heinzelmännchen. Die Lösung war also ganz pragmatisch: Was sah am unschönsten aus? Was schrie nach schnellstmöglicher Veränderung? Und wo hatte ich schon eine Idee im Kopf? Ich hatte mir zuvor aus Zeitschriften und vielen Büchern Beispiele kopiert und an eine Magnettafel geheftet (neudeutsch: Moodboard oder auch Pinterest in analog). Außerdem hatte ich mir weitere Naturgärten angeschaut, um Ideen zu „klauen“.
Das erste kleinere Projekt war ein Staketenzaun als Abgrenzung zum Hauptweg. Der vorhandene hässliche Maschendrahtzaun blieb erhalten, da man in ihn gut markgefüllte Stängel als Wildbienennisthilfen einflechten kann. An den Staketenzaun baute ich eine Mini-Benjeshecke samt Käferkeller, so konnte ich viel Obstbaumschnittgut unterbringen. Zwei Jahre später kamen dann die beiden rankenden (Wild-)Rosen als Begleiter hinzu. Als erstes größeres Projekt beschloss ich die Hang-/Beetbefestigung im oberen Bereich zu erneuern: Statt der hässlichen, riesengroßen, senkrecht aufgestellten Gehwegplatten sollte eine Trockenmauer gebaut werden. Für das nötige Fachwissen kaufte ich mir das passende Buch aus dem Pala-Verlag. Da konnte doch nichts schiefgehen! 😉 Allerdings brauchte ich für den Bau etwas länger als gedacht, da die Steine seeeeeehr schwer waren und teils nur zu zweit bewegt werden konnten. Aber die Trockenmauer steht heute noch.
Als einer der wichtigsten Aufgaben war zu Anfang auch die vom Wertermittler zurecht auferlegte Entsiegelung. Für die ersten Gehwegplatten hatte ich noch Abnehmer, aber später war mein Ziel, sie selbst zu verwerten. Mit ihnen kann man tolle Trockenmauern oder Pyramiden bauen und durch ihre gleichmäßige Plattenhöhe ist dies auch relativ einfach.
2019 wagte ich mich an den Blumen-/Kräuterrasen, der eine große gestalterische Veränderung brachte. Der selbstgebaute und etwas verwunschene Fake-Brunnen des Vorpächters bekam so einen passenden Rahmen. Das habe ich in dem Seminar einer Naturgartenplanerin gelernt: Was ist der Geist oder das Geheimnis des Ortes (Genius loci), in unserem Fall des Gartens und wie können wir diesen unterstützen und hervorheben? Denn als ich das erste Mal meinen Garten betrat und den Brunnen auf dem Rasen sah, war mir klar: Ich mache aus diesem Garten einen „Märchengarten“ mit vielen verwunschenen Orten und verspielten Elementen. Deswegen finden sich bei mir auch immer wieder Froschkönige, Pilze und sogar eine getöpferte Arielle. Auch eine kleinere Wiesenfläche wurde von mir in ein Staudenbeet mit Barfußpfad verwandelt. Hier kann man ganz viel entdecken, mit den Füßen und mit den Augen.
Apropos entdecken: Ich habe an vielen Stellen Sitzmöglichkeiten eingeplant, zum Verweilen, zum Genießen, zum Beobachten. Besonders wichtig sind mir auch Sichtachsen. Will ich Baumstümpfe als stehendes Totholz verwenden, muss ich den neuen Standplatz von allen Seiten betrachten und er muss sich harmonisch in die Umgebung einfügen.
Vieles kann man auch gar nicht planen, manchmal hat man einfach etwas zu viel Lehmboden über und hat dann die Idee eines Grassoden-/Lehmwalls als Abgrenzung zum Beet im Hortus Ruhrpottgesumm gesehen oder der Nachbar fällt seinen Apfelbaum und man verwertet einfach alles als Totholz. Das passiert schon mal relativ spontan.
Als ich kurz vor meiner Naturgartenprämierung war, habe ich versucht, mich in die Naturgartenprämierer hineinzuversetzen, um zu schauen, was dem Garten noch fehlen könnte. Andersherum versuche ich mich aber auch in meinen Pa hineinzuversetzen, was er wohl anmerken würde, wo er doch mit typisch ordentlichen, penibel gepflegten Gärten aufgewachsen ist.
So versuche ich einen guten Mittelweg zu finden, sowohl dem einen als auch dem anderen gerecht zu werden und doch immer den Tieren, insbesondere den Insekten eine gute Lebensgrundlage zu bieten und auch mich somit letzten Endes zufriedenzustellen.
Was mir zu Beginn sehr geholfen hätte, wäre ein Naturgartenplaner.
Also keine Person, sondern ein Plan des Gartens mit den dazugehörigen Bauten, Beeten und Wegen, aber auch mit den laut Gartenordnung notwendigen Anbauflächen, Kompost und Wasserauffangbehältern als verschiebbare Papierelemente.
Wenn ich umgezogen bin, hatte ich so etwas immer für die neue Wohnung gebastelt. Warum also nicht auch für den Garten? Für den Naturgartentag 2025 am Haus Ripshorst ist der Naturgartenplaner entstanden. Dort haben wir die laminierten und zurechtgeschnittenen Elemente mit Magneten versehen, damit sie nicht wegfliegen oder verrutschen. Aber ihr könnt den Naturgartenplaner auch einfach nur ausdrucken und ausschneiden.
Ihr findet die Naturgartenplaner-PDF im Downloadbereich unter: https://kleingärten-essen.de/download.
Viel Spaß beim Ausprobieren!
Neugierig? Führungen, Pflanzenliste, Gartenpläne und Kontakt gibt es unter: tinasnaturkleingarten@web.de
(aus: Der Grüne Bote. Mit freundlicher Genehmigung des Stadtverbandes Essen der Kleingärtnervereine e.V.)