Ich war eigentlich nie ein großer Rosenfan – und übernahm einen Garten mit 15 Edelrosen! Von diesen sind mittlerweile nur noch drei übrig (die anderen wurden natürlich in liebevolle Hände gegeben). Aber neun heimische Wildrosen und eine naturnahe Rose sind an ihrer Stelle eingezogen, sowie eine Buschrose mit Geschichte: Sie ist 1942 auf das Grab meines Uropas gepflanzt worden und hat seitdem einiges erlebt.
Aber wie kommt eine Nicht-Rosenliebhaberin auf die Idee, Rosen in den Garten zu holen? Indem sie sich verliebt. Die erste Rosenliebe war die Hunds-Rose (Rosa canina). Ich hatte gerade erst den Garten übernommen und habe den Wildling an einer Kletterrose völlig übersehen. Und dies anscheinend nicht nur ein sondern zwei Jahre. In dem zweiten Jahr blühte sie auch schon am Rosenbogen und es war um mich geschehen: Unendlich viele zarte Blüten mit fünf reinweißen Blütenblättern und vielen gelben Staubblättern … wunderhübsch. Und im Herbst/Winter zeigten sich dann die kleinen, ovalen, strahlend roten Hagebutten. Von denen war mein Nachbar so angetan, dass er im Jahr darauf seinen Rosenbogen zum Winter hin auch nicht schnitt und seine Edelrose ihre tollen roten Hagebutten zeigen konnte. Meine zweite Wildrose war die Essig-Rose (Rosa gallica) – in einem knalligen Pink kommt sie daher. Ihr zur Seite setzte ich die lilafarbene Sorte ‘Merveille’. Wie ich darauf kam? Als Buchliebhaber fielen mir die Rosenbücher von Reinhard Witt in die Hände und wer vorher kein Fan von Rosen war … Tabellen mit Blüten- und Hagebuttenfotos mit Größen- und Duftangaben sowie allerlei Rosenportraits. Hier findet jeder „seine“ Lieblingsrose. Im gleichen Jahr noch setzte ich an den Rosenbogen samt Zaun auf die eine Seite die heimische, weißblühende Kriech-Rose (Rosa arvensis) und auf der anderen Seite die naturnahe rosa-gelb blühende Moschus-Rose ‘Plaisanterie’ (Rosa moschata). Später folgten dann noch die Echte Dünen-Rose ‘Sylt’ (Rosa spinosissima), die Zimt-Rose (Rosa majalis), die Feld-Rose (Rosa agrestis), die Apfel-Rose (Rosa villosa) und die Alpen-Rose (Rosa pendulina).
Aber was macht die Wildrosen so besonders? Zum einen sind sie besser zugänglich für Insekten, da sie ungefüllt sind. Bei gefüllten Blüten, insbesondere bei Rosen, werden Staubblätter zu Blütenblättern umgezüchtet, das heißt, sie halten weniger oder gar keinen Pollen bereit und bilden auch kaum oder auch gar keine Hagebutten aus. Bei Wildrosen gibt es immer Hagebutten, wenn man die verwelkten Blüten nicht abschneidet. Diese Hagebutten sind kleiner und werden daher eher von Vögeln gefressen. Die dickeren Hagebutten der Edelrosen werden seltener angenommen, bei mir gelegentlich von Eichhörnchen. Darüber hinaus sind Wildrosen sehr robust und pflegeleicht: kein Düngen, kein Aussäubern, kein Winterschutz. Sie müssen also nicht betüddelt werden. Alle paar Jahre sollte ein kräftiger Rückschnitt erfolgen und das wars auch schon. Man kann die heimischen Rosen sehr gut mit naturnahen Rosen kombinieren. Diese können im Idealfall die Rosenblüte verlängern.
Noch ein Wort zur Kartoffel-Rose (Rosa rugosa): Sie wird beim Bundesamt für Naturschutz als invasiver Neophyt gelistet, das heißt, sie ist eine nicht-heimische Pflanze, die aber heimische Pflanzen verdrängt. Ursprünglich kommt sie aus Asien und verdrängt hier besonders die im Küstengebiet heimische Bibernell-Rose (Rosa spinosissima). Der Klimawandel kommt dieser Pflanze entgegen, so dass man auch in unserer Region vorsichtig sein sollte und sie besser nicht pflanzt, denn sie könnte sich auch hier invasiv zeigen. Sie würde heimische Pflanzen verdrängen, von denen unsere Tierwelt abhängig ist.
Es ist leider nicht ganz einfach, eine bestimmte (Wild-)Rose im Handel zu bekommen. Aber wenn man sich einmal verliebt hat, findet man Mittel und Wege und dann kommt auch schon mal eine Rose aus Dänemark. Wenn man Glück hat, erwischt man eine tolle naturnahe Rose auch schon mal im Gartencenter. Wie es meiner Freundin Biggi passiert ist. Sie erzählte mir ganz begeistert von ihrer neuen Kleinstrauchrose und als sie mir deren Namen nannte, war ich ganz überrascht: eine ‘Lupo’! Die ‘Lupo’ kommt immer wieder in dem Rosenbuch von Reinhard Witt vor, er schien nahezu vernarrt in sie zu sein. Umso schöner zu wissen, dass diese Rose auch für Otto Normalverbraucher zu kaufen ist. (mvw)
Neugierig? Führungen, Pflanzenliste, Gartenpläne und Kontakt gibt es unter tinasnaturkleingarten@web.de
Internettipp Liste des BfN der invasiven Neophyten: https://neobiota.bfn.de/invasivitaetsbewertung/gefaesspflanzen.html
Ein Wildling, vermutlich die Hunds-Rose (Rosa canina)Ein Rosenbogen mit einer heimischen Kriech-Rose (Rosa arvensis, weiß) und einer Moschus-Rose (Rosa moschata ‘Plaisanterie’, rosa)Die Essig-Rose (Rosa gallica) in Wildform in Pink und als Sorte ‘Merveille’ in Lila
Ein Beitrag von Martina van Wesel
Ich war eigentlich nie ein großer Rosenfan – und übernahm einen Garten mit 15 Edelrosen! Von diesen sind mittlerweile nur noch drei übrig (die anderen wurden natürlich in liebevolle Hände gegeben). Aber neun heimische Wildrosen und eine naturnahe Rose sind an ihrer Stelle eingezogen, sowie eine Buschrose mit Geschichte: Sie ist 1942 auf das Grab meines Uropas gepflanzt worden und hat seitdem einiges erlebt.
Aber wie kommt eine Nicht-Rosenliebhaberin auf die Idee, Rosen in den Garten zu holen? Indem sie sich verliebt. Die erste Rosenliebe war die Hunds-Rose (Rosa canina). Ich hatte gerade erst den Garten übernommen und habe den Wildling an einer Kletterrose völlig übersehen. Und dies anscheinend nicht nur ein sondern zwei Jahre. In dem zweiten Jahr blühte sie auch schon am Rosenbogen und es war um mich geschehen: Unendlich viele zarte Blüten mit fünf reinweißen Blütenblättern und vielen gelben Staubblättern … wunderhübsch. Und im Herbst/Winter zeigten sich dann die kleinen, ovalen, strahlend roten Hagebutten. Von denen war mein Nachbar so angetan, dass er im Jahr darauf seinen Rosenbogen zum Winter hin auch nicht schnitt und seine Edelrose ihre tollen roten Hagebutten zeigen konnte. Meine zweite Wildrose war die Essig-Rose (Rosa gallica) – in einem knalligen Pink kommt sie daher. Ihr zur Seite setzte ich die lilafarbene Sorte ‘Merveille’. Wie ich darauf kam? Als Buchliebhaber fielen mir die Rosenbücher von Reinhard Witt in die Hände und wer vorher kein Fan von Rosen war … Tabellen mit Blüten- und Hagebuttenfotos mit Größen- und Duftangaben sowie allerlei Rosenportraits. Hier findet jeder „seine“ Lieblingsrose. Im gleichen Jahr noch setzte ich an den Rosenbogen samt Zaun auf die eine Seite die heimische, weißblühende Kriech-Rose (Rosa arvensis) und auf der anderen Seite die naturnahe rosa-gelb blühende Moschus-Rose ‘Plaisanterie’ (Rosa moschata). Später folgten dann noch die Echte Dünen-Rose ‘Sylt’ (Rosa spinosissima), die Zimt-Rose (Rosa majalis), die Feld-Rose (Rosa agrestis), die Apfel-Rose (Rosa villosa) und die Alpen-Rose (Rosa pendulina).
Aber was macht die Wildrosen so besonders? Zum einen sind sie besser zugänglich für Insekten, da sie ungefüllt sind. Bei gefüllten Blüten, insbesondere bei Rosen, werden Staubblätter zu Blütenblättern umgezüchtet, das heißt, sie halten weniger oder gar keinen Pollen bereit und bilden auch kaum oder auch gar keine Hagebutten aus. Bei Wildrosen gibt es immer Hagebutten, wenn man die verwelkten Blüten nicht abschneidet. Diese Hagebutten sind kleiner und werden daher eher von Vögeln gefressen. Die dickeren Hagebutten der Edelrosen werden seltener angenommen, bei mir gelegentlich von Eichhörnchen. Darüber hinaus sind Wildrosen sehr robust und pflegeleicht: kein Düngen, kein Aussäubern, kein Winterschutz. Sie müssen also nicht betüddelt werden. Alle paar Jahre sollte ein kräftiger Rückschnitt erfolgen und das wars auch schon. Man kann die heimischen Rosen sehr gut mit naturnahen Rosen kombinieren. Diese können im Idealfall die Rosenblüte verlängern.
Noch ein Wort zur Kartoffel-Rose (Rosa rugosa): Sie wird beim Bundesamt für Naturschutz als invasiver Neophyt gelistet, das heißt, sie ist eine nicht-heimische Pflanze, die aber heimische Pflanzen verdrängt. Ursprünglich kommt sie aus Asien und verdrängt hier besonders die im Küstengebiet heimische Bibernell-Rose (Rosa spinosissima). Der Klimawandel kommt dieser Pflanze entgegen, so dass man auch in unserer Region vorsichtig sein sollte und sie besser nicht pflanzt, denn sie könnte sich auch hier invasiv zeigen. Sie würde heimische Pflanzen verdrängen, von denen unsere Tierwelt abhängig ist.
Es ist leider nicht ganz einfach, eine bestimmte (Wild-)Rose im Handel zu bekommen. Aber wenn man sich einmal verliebt hat, findet man Mittel und Wege und dann kommt auch schon mal eine Rose aus Dänemark. Wenn man Glück hat, erwischt man eine tolle naturnahe Rose auch schon mal im Gartencenter. Wie es meiner Freundin Biggi passiert ist. Sie erzählte mir ganz begeistert von ihrer neuen Kleinstrauchrose und als sie mir deren Namen nannte, war ich ganz überrascht: eine ‘Lupo’! Die ‘Lupo’ kommt immer wieder in dem Rosenbuch von Reinhard Witt vor, er schien nahezu vernarrt in sie zu sein. Umso schöner zu wissen, dass diese Rose auch für Otto Normalverbraucher zu kaufen ist. (mvw)
Neugierig? Führungen, Pflanzenliste, Gartenpläne und Kontakt gibt es unter tinasnaturkleingarten@web.de
Literaturtipp
Naturnahe Rosen Band 1 + 2, Reinhard Witt
Vorschau unter: https://shop-naturgarten-verlag.de/6-de-Naturnahe-Rosen-Band-1-Strauchrosen.html
Internettipp
Liste des BfN der invasiven Neophyten: https://neobiota.bfn.de/invasivitaetsbewertung/gefaesspflanzen.html