Naturkleingarten: Blumenschotterrasen

Ein Beitrag von Martina van Wesel

Heute möchte ich von meinem neuesten Projekt, dem Blumenschotterrasen erzählen. Schotter? Sofort kommen einem Bilder von Schottervorgärten in den Kopf, wo die messbare Bodentemperatur auf fast 70 °C ansteigt und einzelne Kugelschnittzypressen die „Deko“ bilden. Nein, das hat natürlich weder in einem Kleingarten noch in einem Naturgarten was zu suchen. Konzentrieren wir uns lieber auf die Wörter „Blumen“ und „Rasen“ in „Blumenschotterrasen“. Ein Blumenschotterrasen ist eine Nutzfläche, die begangen oder befahren werden kann und gleichzeitig den Blumen und dem Rasen Raum bietet.

Wie kommt man aber nun dazu, so etwas in einem Kleingarten anzulegen? Als ich 2022 meinen Kleingarten von der Kampagne „Tausende Gärten – Tausende Arten“ prämieren ließ, habe ich bei den Testerinnen nachgehakt, was ich denn darüber hinaus noch in meinem Garten verbessern kann. So schlug man mir für die seitliche Terrasse einen Blumenschotterrasen anstelle der Waschbetonplatten vor. Dieser tolle Vorschlag brauchte allerdings noch 3 Jahre bis zur Umsetzung und wurde durch die angrenzende, langsam abrutschende Hangbefestigung nun auch dringend notwendig.

Als Erstes hieß es: Platten wegmachen und zirka 15 bis 20 Zentimeter tief ausschachten. Würde der Blumenschotterrasen zum Beispiel von Autos befahren werden, muss man mit zwei unterschiedlichen Schichten – mit Trag- und Deckschicht – arbeiten und tiefer buddeln. Da wir die Terrasse aber nur laufenden Fußes betreten, reicht hier die Deckschicht von zirka 15 Zentimetern in einer einzigen Lage vollkommen aus. Wichtig beim Anlegen eines Weges oder einer Terrasse ist, dass ein leichtes Gefälle weg von der Laube eingehalten wird und der tiefste Punkt, wo sich dann das Wasser sammeln könnte, nicht auf dem Weg liegt, sondern dass das Wasser seitlich abfließen kann. Dies berücksichtigt man schon beim Ausschachten. Als Nächstes setzt man Begrenzungssteine, was bei mir allerdings nicht notwendig war, da meine Fläche rundherum schon begrenzt war.

Für die angrenzende Hangbefestigung nutzte ich die vorhandenen, aber schon leicht marodierten Pflanzsteine der Terrasse. Dafür setzte ich die Pflanzsteine eine Etage tiefer und versteckte sie hinter einer Trockenmauer. Diese Trockenmauer baute ich aus den entnommenen Waschbetonplatten, die mein Pa zuvor mit einem Vorschlaghammer zerschlagen hatte – so hat jeder seine Aufgaben im Garten ;-). Die Trockenmauer baute ich weiter zu einem Mini-Hochbeet aus, damit ich auch wieder die Pflanzen aus den Pflanzsteinen unterbringen konnte.

Zwischenzeitlich war der Kalksteinschotter in der Größe 0/22 (0 Millimeter = kleinste Größe = Sand, 22 Millimeter = größte Größe der Steine) angekommen und mit vielerlei Helferlein auf kürzesten Weg durch Nachbars Garten ins Loch geschüttet worden. Dabei wurde immer wieder mit dem Stampfer die Schotterfläche verdichtet. Vorsicht beim Handhaben des Stampfers. So ein Ding auf den Fuß zu bekommen, tut höllisch weh. Zuallerletzt wird noch eine unkrautfreie Kompostschicht von zirka 4 bis 5 Zentimetern in die oberste Schotterschicht eingearbeitet. Dann wird die Fläche gewässert und noch einmal feucht verdichtet.

Damit auch wirklich etwas Vernünftiges aus dem Schotter wächst, gibt es auch hier Mischungen von regionalem heimischem Saatgut. Aus so einer Mischung suchte ich mir meine Favoriten heraus und verfeinerte sie mit meinen Wunschkandidaten, um ein bisschen den Überblick zu behalten. Meine Wahl fiel auf: Gewöhnlicher Thymian (Thymus pulegioides), Gewöhnliches Leinkraut (Linaria vulgaris), Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia), Acker-Vergissmeinnicht (Myosotis arvensis), Raue Nelke (Dianthus armeria), Berg-Sandglöckchen (Jasione montana), Kalk-Aster (Aster amellus), Steppen-Salbei (Salvia nemorosa) und Gewöhnliche Ochsenzunge (Anchusa officinalis). Wobei ich versucht habe, die Größeren mehr an die Ränder und die Kleineren mehr zur Mitte hin zu setzen. Wahrscheinlich wurden sie aber beim Gießen in der sehr trockenen Anfangsphase alle durcheinandergewürfelt. Die Samen werden am besten mit leicht feuchtem Sand gemischt und ausgebracht. Dabei sollten sie möglichst Bodenschluss bekommen, indem man sie andrückt (durch Walzen oder Stampfen).

Gerade diese Magerkünstler haben es in unserer Region schwer, da magere Brachflächen oft vom Schmetterlingsflieder überrannt werden. Dieser lockt zwar Schmetterlinge an, hält aber kaum Nahrung für deren Raupen bereit und verdrängt dabei noch andere heimische Pflanzen. Er steht deswegen auf der Liste der potenziell invasiven Arten des Bundesamtes für Naturschutz.

Auf meiner Fläche zeigte sich zuerst das Acker-Vergissmeinnicht und zuletzt noch das hübsche kleine Gemeine Leinkraut – es wird auch gerne das Wilde Löwenmäulchen genannt. Viele kleine weitere Keimblätter lassen sich blicken, bin schon gespannt, was daraus wird.

Immer wieder werde ich gefragt, ob man denn die neu angelegte Fläche betreten darf. Aber natürlich! Es gehört einfach mit zum Erscheinungsbild eines Blumenschotterrasens: Dort wo man langläuft, wächst weniger und dort, wo man nicht langläuft, darf die angesäte Vegetation frei wachsen.

Aber es gibt auch andere, ähnliche Möglichkeiten, Wege beziehungsweise Flächen naturnah zu begrünen: Die wassergebundene Wegedecke zum Beispiel. Die Gartenfreunde Essen-Stadtwald haben es vorgemacht mit einem Schotterrasen für den 200 Meter langen Weg durch die Anlage. Oder zuletzt beim Workshop „Wassergebundene Wegedecke“ in Steffis Refugium. Hier wurde auch nur die Deckschicht wie bei mir angelegt: 10 bis 15 Zentimeter Brechsand (Natursteinsand mit der Körnergröße von 0 bis 5 Millimeter), Schicht für Schicht einfüllen, befeuchten und stampfen oder walzen. Zusätzlich wurden Polygonalplatten eingebracht und an den Rändern Kräuter gepflanzt.

All diese naturnahen Wege und Flächen, so unterschiedlich sie auch sind, nehmen Regenwasser auf und senken durch ihren Bewuchs die Boden- und Umgebungstemperatur. Ein Wegebau für die Zukunft. (mvw)

Neugierig? Führungen, Pflanzenliste, Gartenpläne und Kontakt gibt es unter tinasnaturkleingarten@web.de

Literaturtipp
Schöne Wege im Naturgarten, Ulrike Aufderheide

Internettipp
www.naturgarten.org/wissen/2021/03/30/der-blumenschotterrasen/

www.naturgarten.org/wissen/2024/02/28/schotter-wird-bunt/ (Umwandlung eines Schottervorgartens)

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