Biodiversitätsdächer

Biodiversitätsdächer 2-

Die herkömmliche Bauart von Dächern im allgemeinen und von minimal begrünten Dächern im besondern kann nur in eine Sackgasse führen.
Wir sind uns einig, dass wir über unendliche Flächen über den Köpfen verfügen, die brach liegen. Einmal, weil sie gar nicht begrünt werden. Oder, zum zweiten, weil sie falsch oder mit Rezepten der Vergangenheit begrünt werden. Steigt man heute auf begrünte Dächer, finden man fast immer eine Sparversion, manchmal sogar eine Perversion der Idee, dass selbst dort oben Leben möglich sein könnte. Dort herrschen extensive Minimalbegrünungen vor:

  • Billige Ziegelsplittsubstrate
  • Viel zu geringe Substrathöhen
  • Eine armselige Ausstattung an Pflanzen


Solche Minimalbegrünungen helfen leider nicht gegen das Artensterben (es blüht kaum noch was – und wenn, sehr kurz) und erst recht nicht im Klimawandel. Die großen Hitzewellen setzen die karge Vegetation zusätzlich unter Stress. Folglich können die Dächer ihre eigentlich gedachten Wohlfahrtsfunktionen nicht mehr ausüben. Sie kühlen nicht mehr Haus und Siedlungsraum. Und halten auch nur noch wenig Regenwasser zurück, was in immer größeren Sturzbächen vom Himmel fällt.
Wir brauchen also andere, klima- und artenschutzkompatible Lösungen, eine neue Art von Biodiversitätsdach, das alle die ursprünglichen Funktionen besser ausfüllt als die Minimalbegrünungen der Vergangenheit und sogar noch eine Hilfe gegen die Dürremonate des Klimawandel ist. Dieses naturnahe Konzept des Biodiversitätsdaches fußt auf sechs Säulen:

  • Höheres und besseres Substrat
  • Keine künstliche Bewässerung
  • Verzicht auf zusätzliche Plastikkomponenten zur Wasserspeicherung
  • Artenreichere Bepflanzung mit hierfür besonders geeigneten heimischen Pflanzenarten sowie der Flora aus angrenzenden südost- und südeuropäischen Regionen.
  • Dynamische Entwicklung und Pflege nach dem Prinzip der Natur: Wir kombinieren ganz bewußt alle Strategietypen der Pflanzen miteinander. Pionierarten (R-Strategen), Stresstolerante (S-Strategen) und Konkurrenzstarke (C-Strategen) bilden auf den Dächern eine Lebensgemeinschaft, die sich selbst erhält und sogar Schäden reparieren kann.
  • Biotopelemente wie Sand, Totholz, Kies, Schotter und Steine, dazu spezielle Nisthilfen für Insekten in verschiedener Form zur Bereicherung und Ergänzung der Lebensmöglichkeiten.

Das alles sind Ideen für eine ungewisse Zukunft. Schließlich befinden wir uns in einem Life-Experiment. Allerdings sind wir mit diesem Konzept schon sehr lange unterwegs und haben damit reiche Erfahrung sammeln können. Die ersten drei Biodiversitätsdächer legte Reinhard Witt 1996 an. Da sprach noch niemand von Artensterben – und Klimawandel war für die meisten ein Fremdwort.

Orte: Beispiele zukunftsfähiger Biodiversitätsdächer in Deutschland und Österreich
Planer: Die Naturgartenplaner, Katrin Kaltofen & Reinhard Witt, Regensburg
Lebensräume: artenreiche Standorte für viele Pflanzen und Tiere mit Totholz und Nistflächen