Pflege im Naturgarten

Für Pflegemaßnahmen im Naturgarten kann der sog. „phänologische Kalender“ eine Orientierung bieten:

Quelle: SWR  (https://www.swr.de/wissen/apfelbluete/article-swr-19734.html)

Eine empfehlenswerte Lektüre, welche Maßnahme wann und wie im Garten gemäß dem phänologischen Kalender ergriffen werden sollte, ist das Buch von Antje Arnold „Quickfinder Artenvielfalt im Gartenjahr“ (Verlag Gräfe und Unzer). Mit vielen wertvollen Hintergrund-Informationen.

Generell sollten folgende Empfehlungen für die biodiversitätsfördernde Pflege eines naturnahen Gartens beachtet werden:

  • Jäten: Aufmerksames Beobachten der Pflanzen als auch der Tiere lässt uns erkennen, wo wir durch behutsame Eingriffe nicht nur die Ästhetik der Fläche, sondern vor allem auch ihre Biodiversität fördern können. Problematische Arten, insbesondere invasive Neophyten, werden selektiv gejätet. Für Tiefwurzler, wie den breitblättrigen Ampfer, ist ein Unkrautstecher ideal, für Flachwurzler, wie Weißklee, eignet sich eine Grabegabel. Die Pflanzen vorsichtig lockern und möglichst mit der gesamten Wurzel herausziehen. Den Boden niemals flächig hacken! Nur jäten was man kennt – unbekannte Arten bis zur Blüte wachsen lassen und dann entscheiden.
  • Beete/Hecken: Es ist besser, Laub liegen zu lassen, statt es zusammen zu rechen und zu entsorgen. Es schützt den Boden vor dem Austrocknen, führt ihm Nährstoffe zu und bietet Kleintieren ein Zuhause.
  • Trockene Staudenteile: werden erst im (zeitigen) Frühjahr abgeschnitten. Bitte nicht in der Grünen Tonne entsorgen oder häckseln, sondern möglichst bis zum Sommer lagern, große Stängel möglichst aufrecht. Es überwintern Tiere an/in den Stängeln, Vögel  fressen die Samen
  • Statt Torf greifen Naturgartenbesitzer besser auf Kompost zurück. Torf trägt kaum zu Bodenverbesserung bei und ist schlecht für das Klima, am Naturstandort ist Torf ein CO2 Speicher.
  • Nur in der Anwachsphase und bei besonders trockenen Phasen brauchen standortgerecht gepflanzte heimische Wildpflanzen zusätzlich Wasser (möglichst: Regenwasser). Ausnahmen sind Pflanzen in Töpfen
  • Mulchen ist positiv für den Naturgarten. Mulch bildet einen schützenden Mantel, hält die Feuchtigkeit im Boden und vermindert die Unkrautbildung. Zudem schützt es vor starken Witterungseinflüssen, bildet Humus für Halb- und Schattenbeete und liefert organisches Material, das ideal zum Düngen für Gemüsebeete ist. Für das Mulchen mit Rindenmulch und Holzhäcksel gibt es in der Natur keine Vorbilder; zudem entziehen diese Substrate beim Zersetzungsprozeß dem Boden Stickstoff und Nährstoffe – freigesetzte Gerbsäuren können zu einem niedrigen pH-Wert führen. Blätter, Rasenschnitt, Staudenreste kleingeschnitten sind geeigneter (unerwünschte Pflanzensamen sollten nicht enthalten sein). Aber auch mineralischer Mulch (Kies, Splitt & Co.) ist ein gut geeignetes Material.
  • Schnittmaßnahmen werden auf das Nötigste beschränkt und schonend durchgeführt (z.B. Sense), Gehölze sollen möglichst frei wachsen.
  • Wiesen müssen regelmässig gemäht und das Mähgut abtransportiert werden, um den Blütenreichtum zu erhalten. Meist empfiehlt sich eine 2-malige Mahd pro Jahr (die 1. Mitte/Ende Juni, die 2. Ende September). Bei fetten Wiesen sind 3 Vorgänge pro Jahr notwendig, bei sehr mageren reicht eine einmalige Mahd. Wiesen gehen immer kurz gemäht und ohne Laub in den Winter. Bitte nur abschnittsweise und zeitversetzt mähen (Staffelmahd). Bitte keinen Fadenmäher nutzen – für große Flächen ist ein Balkenmäher geeignet, für kleinere Flächen Sense, Akku- oder Motorsense.
  • Sträucher + Hecken nur von Oktober bis Februar schneiden
  • Bitte keine Mähroboter einsetzen, ggf. nur tagsüber um Igel zu schützen
  • Laubbläser und -sauger haben in einem naturnahen Garten nichts zu suchen (zum Hintergrund siehe z.B. diesen BUND-Artikel)
  • Statt Holz zu häckseln besser Totholzhaufen oder -zäune bauen

Weitere hilfreiche Tipps für die Pflege:

  • Herbstpflege
    • „Wussten Sie schon“-Seite des NaturGarten e.V.: hier
JahreszeitAktivität
Bis Anfang MärzRückschnitt und Entfernen der noch vorhandenen toten Stängel und Fruchtstände on sommergrünen Stauden
Anfang März bis Mitte AprilWenn nötig, gründliches Jäten. Ausdünnen und Verpflanzen der von selbst aufgegangenen Sämlinge. Teilen von wüchsigen Stauden. Wenn nötig, Pflanzungen überarbeiten. Mulch-Oberflächen erneuern, wobei ausschließlich steriles, nährstoffarmes Material wie Sand, Schotter, Grünkompost verwendet wird. Mist und Dünger sind nicht nötig
Mitte April bis Mitte JuniStellenweise Unkraut auszupfen. Danach ist Jäten nicht mehr nötig
Mitte Juni bis OktoberMinimale Pflege. Lassen Sie die Schichten wachsen, denn darunter verschwinden die verwelkten Überreste frühere Blütenschichten
Oktober bis NovemberUnordentliche oder umgefallene Stängel von Stauden entfernen. Ziel ist es jedoch, möglichst wenig zu entfernen und möglichst viele Fruchtstände und vertrocknende Strukturen vor Ort zu belassen.
November bis FebruarNach und nach tote Stängel und Fruchtstände entfernen, wenn sie umknicken, unordentlich aussehen oder von der Wirkung ablenken. Alles Weitere bleibt stehen. Ich gehe dabei systematisch vor, indem ich die Individuen einer Art zurückschneide und entferne, die ihren Höhepunkt in der Gesamtwirkung der Pflanzung hinter sich haben. Das erfolgt im Abstand weniger Wochen. Auf diese Weise dünnen sich die Winterpflanzungen langsam aus und nur die standfestesten und robustesten Arten stehen bis zum Spätwinter.
Alternativ kann man, wie gemeinhin üblich, alles von Oktober bis Februar stehen lassen. Im Laufe des Winters könnte die Anlage aber immer ungepflegter wirken. Ich bevorzuge die schrittweise Ausdünnung, die Anlagen werden mit jedem Wintermonat lichter.
Staudenpflege nach Nigel Dunnett