


{"id":3783,"date":"2026-05-18T12:12:36","date_gmt":"2026-05-18T10:12:36","guid":{"rendered":"https:\/\/naturgarten.org\/wissen\/?p=3783"},"modified":"2026-05-18T12:12:37","modified_gmt":"2026-05-18T10:12:37","slug":"maehfreier-mai-und-was-dann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/naturgarten.org\/wissen\/2026\/05\/18\/maehfreier-mai-und-was-dann\/","title":{"rendered":"M\u00e4hfreier Mai \u2013 und was dann?"},"content":{"rendered":"<p>von Farina Gra\u00dfmann<\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<p>Der Mai ist ein Versprechen: Auf den Wiesen entfalten Margerite, Kuckucks-Lichtnelke und Wiesen-Salbei ihre Bl\u00fcten. Dazwischen fliegen Insekten umher und h\u00fcllen den Garten in ein emsiges Summen. Dieses Bild soll es in unseren Siedlungen wieder h\u00e4ufiger geben \u2013 das ist das Ziel der Kampagne \u201eM\u00e4hfreier Mai\u201c. Urspr\u00fcnglich aus Gro\u00dfbritannien stammend, ruft sie dazu auf, den Rasenm\u00e4her im Mai stehen zu lassen. Weniger \u201cenglischer Rasen\u201d und daf\u00fcr mehr lebendige Wiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Idee ist einfach: Wird im Fr\u00fchjahr weniger gem\u00e4ht, k\u00f6nnen Pflanzen \u00fcberhaupt erst zur Bl\u00fcte kommen. Oft sind es weit verbreitete Arten, die bunte Tupfer in den Rasen zaubern: L\u00f6wenzahn, Klee, G\u00e4nsebl\u00fcmchen oder Gundermann. An ihren Bl\u00fcten finden Insekten Nektar und Pollen, eine Nahrung, die bei h\u00e4ufigem M\u00e4hen fehlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der \u201cM\u00e4hfreie Mai\u201d l\u00e4dt dazu ein, die Vielfalt vor der eigenen Haust\u00fcr zu f\u00f6rdern. Doch f\u00fcr wirklich artenreiche G\u00e4rten reicht ein Monat Nichtstun allein nicht aus. Entscheidend ist, wie wir das ganze Jahr \u00fcber g\u00e4rtnern \u2013 und wie wir unsere Fl\u00e4chen grunds\u00e4tzlich verstehen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Mehr als \u201enicht m\u00e4hen\u201c \u2013 Mosaikmahd als Schl\u00fcsselprinzip<\/h2>\n\n\n\n<p>Vielfalt entsteht durch Unterschiede. Genau hier setzt die sogenannte \u201cMosaikmahd\u201d an. Statt eine Fl\u00e4che auf einmal zu m\u00e4hen, werden bewusst Teilbereiche stehen gelassen. Es entsteht ein Nebeneinander aus kurzgeschnittenen und hochgewachsenen Bereichen \u2013 und damit ein lebendiges Mosaik.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend ein Teil zur Pflege gem\u00e4ht wird, bleibt der Lebensraum an anderer Stelle unber\u00fchrt. An den Wildpflanzen k\u00f6nnen Bl\u00fctenbesucher weiterhin Nektar und Pollen finden und etliche Insektenlarven fressen sich durch das Gr\u00fcn. Diese Fl\u00e4chen dienen gleichzeitig als R\u00fcckzugsr\u00e4ume. Hierhin k\u00f6nnen Tiere \u2013 vom Heupferd bis zum Grasfrosch \u2013 ausweichen und sichere Verstecke finden. Die unterschiedlichen Mikroklimata schaffen zudem die Grundlage f\u00fcr eine gr\u00f6\u00dfere Artenvielfalt im Garten. Hohe Vegetation speichert Feuchtigkeit und spendet Schatten, niedrige Bereiche erw\u00e4rmen sich daf\u00fcr schneller. Das bietet geeignete Bedingungen f\u00fcr verschiedene Arten.<br><br>Manche Tiere brauchen offene, andere dicht bewachsene Fl\u00e4chen. Auch die oft ungeliebten verfilzten Fl\u00e4chen in der Wiese nutzen zahlreiche Arten als Lebensraum. Zwischen Moosen, Flechten und Pilzen tummeln sich hier wenig beachtete Tiere, wie Springschw\u00e4nze, Milben oder Wanzen. Auch Nachtfalter, wie zum Beispiel die Flechtenb\u00e4rchen, finden darin ein Versteck und zum Teil auch eine Nahrungsgrundlage f\u00fcr ihre Raupen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Prinzip hinter der Mosaikmahd ist einfach: Nie alles auf einmal machen. Das schafft unterschiedliche Strukturen und diese erm\u00f6glichen Vielfalt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Blick in die Natur \u2013 Dynamik statt Dauerzustand<\/h2>\n\n\n\n<p>Wenn wir \u00fcber Mahd sprechen, lohnt sich ein Blick auf die \u00d6kosysteme in der Natur. Denn die traditionelle, regelm\u00e4\u00dfig gem\u00e4hte Wiese ist kein \u201eNaturzustand\u201c, sondern eine kulturell gepr\u00e4gte Fl\u00e4che.<\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00fcher \u00fcbernahmen gro\u00dfe Pflanzenfresser wie Wisente oder Rothirsche eine entscheidende Rolle: Sie grasten in der Landschaft und schufen dadurch ein dynamisches Mosaik aus kurzgefressener und hochgewachsener Vegetation sowie aus ge\u00f6ffneten Bodenstellen. Zu dieser Zeit gab es noch keine gleichm\u00e4\u00dfige Beweidung. Wo Wisent &amp; Co. lebten, entstanden deswegen ganz unterschiedlich geformte Bereiche. Und genau das machte die Fl\u00e4chen so wertvoll. An der einen Stelle hielten sich die Tiere gerne auf \u2013 eine intensive Nutzung war die Folge. Andere Stellen waren hingegen unbeliebt und blieben lange unber\u00fchrt. Dazwischen gab es viele \u00dcbergangsbereiche. Diese Dynamik fehlt heute oftmals. Denn wir Menschen haben in der Landschaft klare Grenzen geschaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Naturgarten ist zwar kein Platz f\u00fcr Wisente. Doch bei der Mahd k\u00f6nnen wir sie uns als Vorbild nehmen. Auf diesem Weg entstehen wieder Fl\u00e4chen, die andernorts selten geworden sind.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der M\u00e4hfreie Mai \u2013 wenn Vielfalt entsteht<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Verzicht aufs M\u00e4hen im Mai kann zeigen, welche Vielfalt im Garten verborgen schlummert, wenn der Rasenm\u00e4her seltener zum Einsatz kommt. Doch ohne eine gut durchdachte Pflege wird aus einem Rasen nicht automatisch eine artenreiche Wiese. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus angepassten Mahdzeitpunkten, unterschiedlichen Schnitth\u00f6hen, stehen gelassenen Teilfl\u00e4chen und bewusst zugelassenen \u201eunordentlichen\u201c Bereichen. Erst dann entsteht Vielfalt, die das ganze Jahr \u00fcber Heimat f\u00fcr Wildtiere bietet.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Naturgartenbewegung geht es uns nicht nur um einzelne Aktionen, sondern um ein anderes Verst\u00e4ndnis von Garten. Der \u201eM\u00e4hfreie Mai\u201c passt dazu \u2013 weil er Gewohnheiten hinterfragt und weil er zeigt, dass weniger manchmal mehr ist. Und was ist eine bessere Belohnung f\u00fcr das Umdenken im Garten als ein Heupferd, das auf der Margerite nach Beute Ausschau h\u00e4lt?<\/p>\n\n\n\n<p>Lesetipps:<\/p>\n\n\n\n<p>Natur&amp;Garten Heft 1.2026 \u201cNaturnahe Pflege\u201d von Ingrid V\u00f6lker <a href=\"https:\/\/shop.naturgarten.org\/naturnahe-pflege\/202601\">https:\/\/shop.naturgarten.org\/naturnahe-pflege\/202601<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Natur&amp;Garten Heft 2.2023 \u201cWiesen \u2013 ihre Natur, Pflege, Tiere &amp; S\u00e4ume\u201d <a href=\"https:\/\/shop.naturgarten.org\/Natur-Garten\/272\/Natur-Garten-2\/2023-Wiesen-Saeume?search=wiese\">https:\/\/shop.naturgarten.org\/Natur-Garten\/272\/Natur-Garten-2\/2023-Wiesen-Saeume?search=wiese<\/a><\/p><script>\r\n              jQuery(document).ready(function(){\r\n                jQuery(\"a.btn-iframe-link\").each(function(){\r\n                        jQuery(this).bind(\"click\",function(){\r\n                              event.preventDefault();\r\n                                          \r\n                                jQuery(this).parent().parent().css(\"min-height\",\"500px\");\r\n                               jQuery(this).parent().parent().html(\"<iframe src=\\\"\"+jQuery(this).attr(\"btn_iframe_link\")+\"\\\" style=\\\"border: 0;min-height:500px;\\\" frameBorder=\\\"0\\\"  width=\\\"100%\\\"><\/iframe>\");\r\n                        });\r\n                   \r\n                });\r\n                jQuery(\"a.btn-text-link\").each(function(){\r\n                            jQuery(\"a.btn-text-link\").unbind(\"click\").bind(\"click\",function(){\r\n                                    var text_link = jQuery(this).attr(\"text-link\");\r\n                                     jQuery(\"body\").append(\"<div class=\\\"modal fade in\\\" id=\\\"youtube_text_link\\\" tabindex=\\\"-1\\\" role=\\\"dialog\\\" aria-labelledby=\\\"myModalLabel\\\" style=\\\"overflow-y: scroll; 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