


{"id":1766,"date":"2021-06-15T13:11:08","date_gmt":"2021-06-15T11:11:08","guid":{"rendered":"https:\/\/naturgarten.org\/wissen\/?p=1766"},"modified":"2025-10-31T14:32:36","modified_gmt":"2025-10-31T13:32:36","slug":"zwoelf-vorurteile-ueber-natuernahe-gaerten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/naturgarten.org\/wissen\/2021\/06\/15\/zwoelf-vorurteile-ueber-natuernahe-gaerten\/","title":{"rendered":"Zw\u00f6lf Vorurteile \u00fcber naturnahe G\u00e4rten"},"content":{"rendered":"<!DOCTYPE html>\n<html><head><meta charset=\"UTF-8\"><\/head><body>\n<p>Die naturnahe Gestaltung von Gr&uuml;nfl&auml;chen wird immer breiter diskutiert und auch in Gartenzeitschriften kommentiert, sie ist im sogenannten &bdquo;mainstream&ldquo; angekommen. Zunehmend gibt es Beitr&auml;ge von Autorinnen oder Autoren, die selber nicht in diesem Bereich arbeiten oder die naturnahe Gestaltung aus den verschiedensten Gr&uuml;nden ablehnen. In einem Positionspapier sollen die in den vergangenen Jahren immer wiederkehrenden Argumente gegen naturnahe G&auml;rten, also G&auml;rten, in denen (auch) die biologische Vielfalt gef&ouml;rdert werden soll, aufgef&uuml;hrt und kommentiert werden. Die angegebenen Belegstellen sind nur beispielhaft. <\/p>\n\n\n\n<p>&rarr; <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/loyy.qloc-cloud.de\/s\/gHbW6R5QyYFE2sT\" target=\"_blank\" title=\"Argumentationspapier \" aria-label=\"Argumentationspapier auf oyy.qloc-cloud.de\">Argumentationspapier &#8222;Zw&ouml;lf Vorurteile &uuml;ber naturnahe G&auml;rten&#8220;<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>In einem Argumentationspapier gibt Ulrike Aufderheide Antworten auf die zw&ouml;lf h&auml;ufigsten Vorurteile, die naturnahen G&auml;rten entgegengebracht werden:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><td><strong>1.<\/strong> <strong><em>,,Naturnahe G&auml;rten sind abzulehnen, weil ein Garten keine Natur sein kann.,,<\/em><\/strong><br>Das Verh&auml;ltnis von Kultur und Natur kann auf verschiedene Weise beschrieben und erlebt werden. Natur wird einmal als Gegensatz zu dem vom Menschen gestalteten Raum und damit als &bdquo;bedroht&#8220;, dann als Gegen&uuml;ber und &bdquo;bedrohlich&#8220; oder als etwas, das der Verbesserung durch die Kultur des Menschen bedarf, also als &bdquo;be&shy;d&uuml;rftig&#8220; wahrgenommen. Wir k&ouml;nnen uns selbst aber auch als Teil der Natur auffassen und anerkennen, dass wir l&auml;ngst in Zeiten des Anthropoz&auml;ns angekommen sind, dass wir also die Natur nicht r&uuml;ckholbar ver&auml;ndert haben. Bei Natur&shy;g&auml;rtner*innen f&uuml;hrt diese Erkenntnis aber nicht dazu, die H&auml;nde in den Scho&szlig; zu legen und den Dingen ihren (schrecklichen) Lauf zu lassen. Sie tun vielmehr das, was alle G&auml;rtner*innen immer schon getan haben, sie leisten sich das Besondere, das was es au&szlig;erhalb des Gartenzauns nicht gibt. F&uuml;r Naturg&auml;rtner*innen sind dies einheimische Tiere und Pflanzen. Sie geben ihrem Garten einen zus&auml;tzlichen Zweck: die F&ouml;rderung der biologischen Vielfalt. Wenn ein Garten aber die biologische Vielfalt f&ouml;rdern soll, dann ist die Frage, wie er gestaltet wird, keine Frage der Begrifflichkeit, sondern ein Lernprozess, der immer wieder die Ergebnisse der Naturwissenschaft in die Gartengestaltung einbezieht: &nbsp;<br>* Mit welchen Pflanzen kann ich die biologische Vielfalt am besten f&ouml;rdern? Mit einheimischen Wild&shy; pflanzen, da nur sie sich mit unserer Tierwelt in Koevolution entwickelt haben.<br>* Wie sollte ich am besten Bauwerke im Garten erstellen? Versickerungsoffen und begr&uuml;nt, weil so das Regenwasser versickern kann und seltene magere Lebensr&auml;ume entstehen (Paradebeispiel ist hier der ,,Blumenschotterrasen&#8220;).<br>* Wie sollte ich meinen Garten pflegen? So, dass ich die biologische Vielfalt f&ouml;rdere, statt sie zu sch&auml;digen.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><td><strong>2.<em> ,,Besonders artenreiche Landschaften mit Hecken, Wiesen, Weiden, Heiden, Truppen&uuml;bungspl&auml;tze sind ein Produkt menschlicher T&auml;tigkeit. Wer Artenreichtum anstrebt, will also gerade eine k&uuml;nstlichen und keinen nat&uuml;rlichen Zustand, damit f&uuml;hrt sich der Begriff Naturgarten ad absurdum.&#8220;<\/em><\/strong><br>Meist imitiert eine biodiversit&auml;tsf&ouml;rdernde Anlage und vor allem die biodiversit&auml;tsf&ouml;rdernde Pflege die St&ouml;rfaktoren der besonders artenreichen halboffenen Landschaften. Das ist der Landschaftstyp, in dem unsere Biodiversit&auml;t in den letzten 2 Millionen Jahren entstanden ist: St&ouml;rungen durch Beweidung, &Uuml;ber&shy;schwemmungen, Waldbr&auml;nde, Hangrutschungen schufen immer wieder neue Lebensr&auml;ume f&uuml;r die Arten, die heute als &bdquo;Kulturfolger&#8220; oft geringer geachtet werden als die Arten der so genannten &bdquo;Klimaxgesellschaften&#8220;. Mit Klimaxgesellschaft wird der theoretisch postulierte Endpunkt der Sukzession vom blanken mineralischen Boden aus bezeichnet, der dann nicht mehr oder nur noch punktuell weiteren Entwicklungen unterliegt. In Mitteleuropa sind das meist Laubmischw&auml;lder. Dabei werden Einfl&uuml;sse von gro&szlig;en Pflanzenfressern als &bdquo;k&uuml;nstlich&#8220; ausdr&uuml;cklich nicht betrachtet &#8211; und in der realen Forstwirtschaft ja auch so weit wie m&ouml;glich unterdr&uuml;ckt. Dabei ist es wahrscheinlich, dass das Konzept der Klimaxgesellschaft lediglich eine Beschreibung der schon stark vom Menschen ver&auml;nderten Landschaft zu einer bestimmten Zeit ist, n&auml;mlich der Zeit der auf&shy; kommenden Wissenschaften. Biologen und besonders Agrar- und Forstwissenschaftler trafen in Mitteleuropa auf streng abgegrenzte Felder, Wiesen und Weiden ohne wilde Rinder und Pferde oder gar Altelefanten und Nash&ouml;rner. Die Einfl&uuml;sse der Nutztiere, die die &ouml;kologischen Planstellen der Gro&szlig;tiere teils ersetzen k&ouml;nnen, waren und sind auf die Fl&auml;chen au&szlig;erhalb der W&auml;lder begrenzt. Der &bdquo;nat&uuml;rliche&#8220; Pflanzenfresserbestand wird dabei selbstreferenziell &uuml;ber das Vorhandensein von Naturved&uuml;ngung definiert. Naturverj&uuml;ngung von Ge&shy;h&ouml;lzen ist aber auch in beweideten halboffenen Landschaften m&ouml;glich, nur eben anders als in unbeweideten W&auml;ldern. Eichen k&ouml;nnen sich zum Beispiel in dichten W&auml;ldern nicht reproduzieren, wohl aber auf extensiven Weiden. &nbsp;<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><td><strong>3.<em> ,,Der traditionelle Garten mit seinen exotischen Pflanzen ist sch&uuml;tzenswertes Kulturgut. <\/em><\/strong>&#8222;<br>Das ist sicherlich richtig. Der NaturGarten e.V. m&ouml;chte f&uuml;r einen Garten, der gleichzeitig die biologische Vielfalt f&ouml;rdert, werben und begeistern. Ein Garten ist dann gut und sch&ouml;n, wenn er uns gl&uuml;cklich macht. Begeisterte &bdquo;klassische&#8220; G&auml;rtner*innen sind gl&uuml;cklich in ihrem mit erlesenen Arten und Sorten gestalteten Garten &#8211; wie sch&ouml;n. Viele Menschen sind aber eher unzufrieden mit ihrem Garten, weil sie eben nicht die tollen Gartenbilder der Hochglanzzeitschriften erreichen oder das Gartenbild, dem sie meinen, gen&uuml;gen zu m&uuml;ssen, erhalten k&ouml;nnen.Das naturnahe Gartenkonzept, das oft aus informiertem Nichtstun besteht, wirkt da entlastend und attraktiv. Die Naturbeobachtungen, die Wildpflanzen mit ihren zarteren Bl&uuml;ten, Biotopelemente und Funktionsfl&auml;chen, die Lebensr&auml;ume m&ouml;glich machen, k&ouml;nnen ebenso gl&uuml;cklich machen wie ein intensiv gepflegter Blumengarten. G&auml;rten, die in besonderem Ma&szlig;e die biologische Vielfalt f&ouml;rdern sollen, sind damit ein neues Gartenkonzept und so eine Bereicherung der Gartenkultur.Allerdings ist der Gartenbau auch einer der Haupteintragswege invasiver Neophyten, also von Arten, die die biologische Vielfalt sch&auml;digen. Der Naturgarten pl&auml;diert deshalb f&uuml;r den Verzicht auf invasive Neophyten in allen G&auml;rten, insbesondere aber am Siedlungsrand. &nbsp;<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><td><strong>4.<em> ,,Naturg&auml;rten werden nicht gut gestaltet und sind &auml;sthetisch unbefriedigend.&#8220;<\/em><\/strong><br>Einheimische Wildpflanzen sind (leider) unbekannte Pflanzen. Und oft werden unbekannte Pflanzen als Unkraut angesehen. Aus diesem Grunde ist eine gute Gestaltung bei biodiversit&auml;tsf&ouml;rdernden G&auml;rten, vor allem, wenn sie eine Au&szlig;enwirkung haben sollen, besonders wichtig. Die gute Gestaltung ist quasi das Ausrufezeichen hinter dem noch f&uuml;r viele ungewohnten Gartenkonzept. Das betrifft Gel&auml;ndemodellierung und Bauwerke, wie Mauern, Wege und Pl&auml;tze, genauso wie die Pflanzplanung. &nbsp;<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><td><strong>5.<em> ,,Einheimische Pflanzen haben keine auffallenden und sch&ouml;nen Bl&uuml;ten.&#8220;<\/em><\/strong><br>Ob wir die zarten Bl&uuml;ten der einheimischen Wildrosen sch&ouml;n finden oder die gro&szlig;en schweren Bl&uuml;tenk&ouml;pfe der Zentifolien, ist eine Frage des Geschmackes und damit ver&auml;nderbar. Mit dem Wissen, dass gef&uuml;llte Bl&uuml;ten meistens weniger oder keinen Nektar und Pollen produzieren, dass Sorten einheimischer Wildpflanzen genetisch verarmt sind und dass exotische Pflanzen weniger Tieren als Nahrung dienen, verlieren Naturg&auml;rtner*innen die Freude an dem Angebot der Gartencenter und konven&shy;tioneller Pflanzenproduzenten. Die Nutzer biodiversit&auml;tsf&ouml;rdernder G&auml;rten sind Connaisseure der Natur, was die Bl&uuml;ten einschlie&szlig;t, aber auch weit dar&uuml;ber hinausgeht. &nbsp;<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><td><strong>6<\/strong>. <strong><em>,,Es gibt nur wenig sp&auml;t bl&uuml;hende einheimische Pflanzen.&#8220;<\/em><\/strong><br>Unsere Fauna hat ihren Bl&uuml;hh&ouml;hepunkt im Fr&uuml;hsommer. Wer in der Literatur oder im Internet (z.B. in der Datenbank &bdquo;Bioflor&#8220;) die Bl&uuml;tezeiten einheimischer Wildstauden recherchiert, wird erstaunt sein, wie viele Wildstauden noch im Sommer und Hochsommer bl&uuml;hen. Dies liegt daran, dass sie in der Landschaft entweder durch Weidetiere abgefressen (wie es in Europa seit Jahrmillionen der Fall ist) oder durch die Wiesenmahd (gibt es seit ca. 200 Jahren in gr&ouml;&szlig;erem Ma&szlig;e) zu einer Zweitbl&uuml;te oder einer sp&auml;teren Bl&uuml;te gebracht werden. Dies kann im Garten durch den so genannten Remontierschnitt imitiert bzw. erreicht werden. Es gibt auch einige sp&auml;tbl&uuml;hende Geh&ouml;lze, wie z.B. Efeu (Hedera helix), Besenheide (Calluna vulgaris) oder F&auml;rberginster (Genista tinctoria). Diese Arten werden dann oft von au&szlig;ergew&ouml;hnlich sp&auml;t fliegenden Wild&shy; bienenarten besucht, die speziell an diese Geh&ouml;lze angepasst sind. Gestalterisch setzt im Hochsommer der Fruchtschmuck der Wildgeh&ouml;lze mit seinen bei den mitteleuro&shy;p&auml;ischen Bl&uuml;ten seltenen gelbroten Farbt&ouml;nen ein, was sehr gut mit gelb bl&uuml;henden Stauden kombiniert werden kann. &nbsp;<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><td><strong>7<\/strong>. <strong><em>,,Fr&uuml;h und sp&auml;t bl&uuml;hende exotische Pflanzen f&uuml;llen die Trachtl&uuml;cke der einheimischen Flora.&#8220;<\/em><\/strong><br>&bdquo;Trachtl&uuml;cke&#8220; ist ein Begriff aus der Imkerei. Die mitteleurop&auml;ischen Bl&uuml;tenbesucher sind an unsere Flora angepasst, auch an den Bl&uuml;hh&ouml;hepunkt im Fr&uuml;hsommer. Die selten gewordenen Arten der mageren Wiesen und Weiden, die ja oft noch sp&auml;t im Jahr bl&uuml;hen, sollten in biodiversit&auml;tsf&ouml;rdernden G&auml;rten vermehrt verwendet werden, da sie in der Landschaft einen besonders starken R&uuml;ckgang erleben. Sie k&ouml;nnen nicht vollwertig durch sp&auml;t bl&uuml;hende exotische Arten ersetzt werden, da deren Nutzung durch die zumeist spezialisierten herbivoren Insekten geringer ist. &nbsp;<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><td><strong>8.<\/strong> <strong><em>,,Gerade G&auml;rten mit einem gro&szlig;en Anteil an Exoten weisen eine hohe Biodiversit&auml;t auf, wie z.B. der Garten von Great Dixter.&#8220;<\/em><\/strong><br>Es gibt nur sehr wenige wissenschaftliche Untersuchungen, die sich dem Vergleich von G&auml;rten widmen, in denen einheimische Wildpflanzen dominieren, und solchen, wo haupts&auml;chlich exotische Pflanzen angepflanzt werden. Die gr&ouml;&szlig;te Herausforderung solcher Untersuchungen besteht darin, dass Tiere immer auch von der Umgebung zufliegen und zuwandern. Je kleiner die untersuchte Fl&auml;che ist und je gr&ouml;&szlig;er die Reichweite der verwendeten Fangmethode, desto mehr bildet das Ergebnis den Artenbestand der Umgebung und nicht die Eigenschaften der untersuchten Fl&auml;chen ab. So wurden bei den immer wieder zitierten Untersuchungen in Veitsh&ouml;chheim, wo 3 Sorten einheimischer Arten mit 3 Arten aus dem s&uuml;dosteurop&auml;ischen Raum verglichen wurden, unter anderem Gelbtafeln verwendet, die Insekten auch aus gr&ouml;&szlig;eren Entfernungen anlocken. Bei den Untersuchungen der Royal Horicultural Society wurden einheimische Arten aus langj&auml;hriger G&auml;rtnerischer Vermehrung (also de facto Kultivare) nicht standortgerecht (z.B. Pflanzen der Trocken&shy;standorte gemeinsam mit denen der Feuchtstandorte in einem Beet) auf Fl&auml;chen in der Gr&ouml;&szlig;e 3 x 3 Meter aufgepflanzt. &nbsp;<br>Erstaunlicherweise wurden trotz der viel Unsch&auml;rfe produzierenden Versuchsbedingungen in diesen Untersuchungen die einheimischen Arten meist geringf&uuml;gig st&auml;rker genutzt als die nicht einheimischen.Bei beiden Untersuchungen wird jedoch das geringe Ma&szlig; des Unterschieds, das dem Versuchsdesign geschuldet ist, zur Vermarktung exotischer Arten genutzt. Bei dieser Vermarktung wird dann oft nicht mehr zwischen europ&auml;ischen Arten, wo bis zu einem gewissen Grad mit Koevolution mit unserer Tierwelt zu rechnen ist, und Arten aus anderen Kontinenten, wo keine Koevolution m&ouml;glich war, unterschieden.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><td><strong>9. ,,<em>Wir brauchen Exoten, weil nur Exoten der Klimakrise standhalten k&ouml;nnen.,,<\/em><\/strong><br>Obwohl diese Aussage intuitiv richtig erscheint (,,neues Klima &#8211; neue Arten&#8220;), kann sie zurzeit nicht belegt werden, da zu Beginn der Klimakrise noch keine Versuche zum Thema durchgef&uuml;hrt wurden. In die derzeit laufenden Versuche werden nur wenige einheimische Arten mit aufgenommen. Als Argument wird aufgef&uuml;hrt, dass entweder bekannt sei, dass die Arten gut mit trockenhei&szlig;en Standorten zurecht&shy; kommen (wie beim Feldahorn) oder dass die Arten in den Baumschulen nicht angeboten werden (wie Sorbus&shy; Arten oder Flaumeiche).&Auml;hnlich wie bei den vergleichenden Untersuchungen wird dann sp&auml;ter aber die Versuchsbedingung (kaum einheimische Arten) als Ergebnis pr&auml;sentiert. Wenn nur exotische Arten untersucht werden, dann erscheinen nat&uuml;rlich auch nur exotische Arten auf den Listen der besonders empfehlenswerten Geh&ouml;lze. Generell kann gesagt werden, dass es auch jetzt schon trockenhei&szlig;e Standorte in Mitteleuropa gibt und dass dort etliche Geh&ouml;lze vorkommen, die an diese Bedingungen gut angepasst sind. Statt vermehrt exotische Arten aufzupflanzen &#8211; was ja immer auch die Gefahr beinhaltet, einen neuen invasiven Neophyten einzu&shy;f&uuml;hren &#8211; sollte das Baumschulsortiment um die einheimischen Arten erweitert werden, die an trocken hei&szlig;e Standorte angepasst sind. &nbsp;<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><td><strong>10.<em> ,,Dass sich invasive Arten ausbreiten, ist die Antwort der Natur auf die Klimakrise oder andere St&ouml;rungen durch den Menschen und es hat positive Auswirkungen, z.B. weil die Arten als Bienenweide dienen. <\/em>&#8222;<\/strong><br>Die Tatsache, dass sich einheimische Pflanzenarten mit einheimischen Tierarten w&auml;hrend einer hundert&shy; tausende und Millionen <em>von <\/em>Jahren dauernden Koevolution aneinander angepasst haben, hat dazu gef&uuml;hrt, dass insbesondere die herbivoren Tierarten zu einem gro&szlig;en Anteil auf bestimmte Pflanzenarten oder-gattungen spezialisiert sind (80-90% der herbivoren Insektenarten sind spezialisiert). Diese &bdquo;Konsumenten 1. Ordnung&#8220; dienen wiederum oft spezialisierten Arten z.B. Pilzen, Parasiten oder Parasitoiden als Lebens&shy;grundlage. Wenn Arten nun <em>vom <\/em>Menschen weit verfrachtet werden, kommen die Nutzer in der Regel nicht mit, exotische Arten verlieren 50-90% ihrer Parasiten. Dies ist der Grund f&uuml;r die erh&ouml;hte Fitness am neuen Ort und auch einer der Gr&uuml;nde, warum Arten invasiv werden k&ouml;nnen, also die Biodiversit&auml;t sch&auml;digen. Nur die Arten, die nachweislich die Biodiversit&auml;t sch&auml;digen, werden als &bdquo;invasiv&#8220; bezeichnet. Es ist also nicht so, dass eine <em>vom <\/em>Menschen gesch&auml;digte Natur sich selber heilt, sondern die invasiven Arten sind einer der Hauptgr&uuml;nde f&uuml;r die Biodiversit&auml;tskrise. Von Neobiota gepr&auml;gte &Ouml;kosysteme werden als &bdquo;novel ecosystems&#8220; bezeichnet, das hei&szlig;t aber nicht, dass sie erstrebenswert w&auml;ren, denn sie zeichnen sich durch weite (artenarme) Nahrungsnetze aus, sind weniger resilient und bieten geringere &Ouml;kosystemdienstleistungen. Wenn Exoten und Neobiota <em>von <\/em>Tieren genutzt werden, dann werden sie in der Regel <em>von <\/em>nicht spezialisierten Arten wie Honigbienen oder Hummeln genutzt. Diese oft auff&auml;lligen Arten k&ouml;nnen aber nicht als Nachweis des &ouml;kologischen Wertes exotischer Pflanzenarten dienen. Die Attraktivit&auml;t f&uuml;r Honigbienen hat sogar erst dazu gef&uuml;hrt, dass einige Arten absichtlich in der Natur ausgebracht wurden und invasiv, also <br>biodiver&shy;sit&auml;tssch&auml;digend, werden konnten. &nbsp;<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><td><strong>11.<em> ,,Invasive Neophyten abzulehnen, ist fremdenfeindlich und rassistisch.&#8220;<\/em><\/strong><br>Dies immer wieder vorgebrachte Argument ist ein typisches &bdquo;Totschlagargument&#8220;, bei dem sich der Argumentierende nicht mit Inhalten auseinandersetzt, sondern den Sendenden der abgelehnten Botschaft diffamiert. Exotische Pflanzen werden als &bdquo;Pflanzen mit Migrationshintergrund&#8220; vermenschlicht, um Rassis&shy;mus zu konstruieren. So wie die Tatsache, dass Hitler Vegetarier war, nicht gegen eine vegetarische Ern&auml;hrung spricht, spricht die Tatsache, dass die Pflanzensoziologie im Dritten Reich sich eines nationalsozialistischen Vokabulars be&shy;diente, nicht gegen den Versuch, die Sch&auml;digung der Biodiversit&auml;t durch Neobiota zu minimieren. Bei der naturschutzfachlichen Bewertung <em>von <\/em>Exoten, Neobiota und invasiven Neobiota ist allein die Frage, ob sie die Biodiversit&auml;t sch&auml;digen, relevant. G&auml;rtner*innen, die die Biodiversit&auml;t f&ouml;rdern m&ouml;chten, werden solche Tatsachen in ihre Entscheidungen, welche Arten sie im Garten ansiedeln, einbeziehen. Es geht also nicht um die Begrifflichkeit heimisch\/nicht heimisch, sondern um die biologischen Eigenschaften der Pflanze. &nbsp;<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><td><strong>12.<\/strong> <strong><em>,,Auch einheimische Pflanzen k&ouml;nnen negative Auswirkungen haben, z.B. das Jakobskreuzkraut.&#8220;<\/em><\/strong><br>Einer der wichtigsten Gr&uuml;nde f&uuml;r die enge Beziehung zwischen einheimischen Pflanzen und den an sie angepassten Tierarten ist die Tatsache, dass Pflanzen giftige Inhaltsstoffe produzieren und in ihren Geweben einlagern. Damit wird die Anzahl der Tierarten, die sich <em>von <\/em>den Pflanzenteilen ern&auml;hren k&ouml;nnen, begrenzt. Einige Tierarten entwickelten gegen die spezifischen Inhaltsstoffe der jeweiligen Gattung dann Entgiftungssysteme und zeigen oft auch weitere Anpassungen an die Gattung oder Art, deren Inhaltsstoffe sie entgiften k&ouml;nnen. Die nicht vorhandenen Entgiftungssysteme sind damit auch einer der Hauptgr&uuml;nde, warum exotischen Pflanzenarten <em>von <\/em>der heimischen Tierwelt weniger genutzt werden als die einheimischen Pflanzen und warum manche Arten invasiv werden. Der energetische und evolution&auml;re Aufwand f&uuml;r Entgiftungssysteme ist aber auch der Grund daf&uuml;r, dass viele Pflanzen nicht <em>von <\/em>allen Tieren, sondern nur <em>von <\/em>spezialisierten Tieren genutzt werden. Das gilt auch f&uuml;r das einheimische Jakobskreuzkraut, das Pyrrollizidinalkaloide einlagert, eine Strategie, die auch etliche andere Pflanzengruppen verfolgen (z.B. Huflattich, Braunwurzgew&auml;chse, manche Grasarten, wenn sie <em>von <\/em>Pilzen befallen werden). Solche Pflanzenarten sch&auml;digen nicht die biologische Vielfalt, sondern Nutztiere, die (evolution&auml;r oder individuell) nicht gelernt haben, sie zu vermeiden, oder die sie nicht erkennen k&ouml;nnen, weil wir sie ihnen in &bdquo;k&uuml;nstlicher&#8220;, n&auml;mlich getrockneter Form als Heu verf&uuml;ttern, wodurch die evolution&auml;r erworbenen Erkennungssysteme nicht funktionieren. Weil Pferde Jakobskreuzkraut in lebendem Zustand durchaus erkennen k&ouml;nnen und nicht fressen, f&uuml;hrt schlechte Weidepflege in der N&auml;he <em>von <\/em>Pferdehaltungen dazu, dass es sich ausbreitet. Die L&ouml;sung des Problems liegt nicht in dem Versuch, manche einheimische Pflanzenarten zu bek&auml;mpfen, und damit vielen einheimischen Tieren die Nahrungsgrundlage zu entziehen, sondern die gef&auml;hrdeten Nutztiere (oder uns) durch spezielle Ma&szlig;nahmen zu sch&uuml;tzen: Bek&auml;mpfung <em>von <\/em>im Heu giftigen Pflanzen nur auf Heuwiesen oder &#8211; bei naturschutzfachlich wertvollem Bestand auf den Wiesen &#8211; Verzicht auf Heugewinnung und Umwandlung in Weidefl&auml;chen mit entsprechender Weidepflege, Verzicht auf das Aufstellen <em>von <\/em>Bienenst&auml;nden in Gebieten mit Pflanzen, deren Inhaltstoffe im Honig f&uuml;r Menschen giftig sind. &nbsp;<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><td><em>Beispielhafte Ver&ouml;ffentlichungen, die sich gegen naturnahe (biodiversit&auml;tsf&ouml;rdernde) G&auml;rten aussprechen: Wolfgang Borchardt: (K)ein Abschied vom Baum des Jahres 2020J&ouml;rg Pfenningschmidt, Kraut und R&uuml;ben 2\/2021Ute Rieper: Es ist gut, also ist es sch&ouml;n, Gartenpraxis 11\/2020 Kolumnen von Folko Kullmann in Gartenpraxis, 2\/2019; 10\/2019; 9\/2020; 1\/2021 <\/em>&nbsp;<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><td><em>Weitere zitierte Untersuchungen: Zukunftsb&auml;ume Veitsh&ouml;cheim: Susanne B&ouml;ll, Rosa Albrecht und Dieter Mahsberg (2019): Stadtklimab&auml;ume &#8211; geeignete Habitate f&uuml;r die urbane Insektenvielfalt? LWG aktuell, Bayerische Landesanstalt f&uuml;r Weinbau und Gartenbau, Veitsh&ouml;chheim &nbsp;<\/em><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><td><em>Great Dixter:Andy Phillips: Great Dixter Biodiversity Audit 2017-2019, ohne Verlag abgerufen von <a href=\"http:\/\/www.greatdixter.co.uk\/house-and-estate\/biodiversity\/biodiversity-audit\/\" title=\"Biodiversity-Audit\" aria-label=\"Biodiversity-Audit auf www.greatdixter.co.uk &ouml;ffnen\">https:\/\/www.greatdixter.co.uk\/house-and-estate\/biodiversity\/biodiversity-audit\/<\/a>Andy Phillips: Great Dixter Invertebrate Suvey 2016\/2017 und Update 2018, ohne Verlag, a.a.O Claire Williamson: Great Dixter Estate Biodiversity Audit 2018 Butterfly Audit, ohne Verlag, a.a.O &nbsp;<\/em><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><td><em>Die Untersuchungen der Royal Horticulturas Society: Aufderheide, Ulrike: Der Versuch der royal Horticultural Society zeigt: Wer &bdquo;Tiere pflanzen&#8220; m&ouml;chte, verwendet am besten einheimische Pflanzen &#8211; kommuniziert wird leider etwas anderes, Natur und Garten 4, 2017, 34-37Salisbury, A., Armitage, J., Bostock, H., Perry, J., Tatchell, M. &amp; Thompson, K. (2015) Enhancing gardens as habitats for flower-visiting aerial insects (pollinators): should we plant native or exotic species? Journal of Applied Ecology 2015, 52, 1156-1164 &nbsp;<\/em><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><td><em>Informationen zur Giftigkeit von Pflanzen f&uuml;r Tiere: <a href=\"http:\/\/www.giftpflanzen.ch\/\" title=\"Website giftpflanzen.ch\" aria-label=\"Website giftpflanzen.ch &ouml;ffnen\">www.giftpflanzen.ch<\/a> &nbsp;<\/em><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><td><em>https:\/\/en.wi kipedia.org\/wiki\/Adolf_Hitler_and_vegetarianism &nbsp;<\/em><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p>&rarr; <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/loyy.qloc-cloud.de\/s\/gHbW6R5QyYFE2sT\" target=\"_blank\" title=\"Argumentationspapier \" aria-label=\"Argumentationspapier  auf loyy.qloc-cloud.de &ouml;ffnen\">Argumentationspapier &#8222;Zw&ouml;lf Vorurteile &uuml;ber naturnahe G&auml;rten&#8220;<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n<\/body><\/html><script>\r\n              jQuery(document).ready(function(){\r\n                jQuery(\"a.btn-iframe-link\").each(function(){\r\n                        jQuery(this).bind(\"click\",function(){\r\n                              event.preventDefault();\r\n                                          \r\n                                jQuery(this).parent().parent().css(\"min-height\",\"500px\");\r\n                               jQuery(this).parent().parent().html(\"<iframe src=\\\"\"+jQuery(this).attr(\"btn_iframe_link\")+\"\\\" style=\\\"border: 0;min-height:500px;\\\" frameBorder=\\\"0\\\"  width=\\\"100%\\\"><\/iframe>\");\r\n                        });\r\n                   \r\n                });\r\n                jQuery(\"a.btn-text-link\").each(function(){\r\n                            jQuery(\"a.btn-text-link\").unbind(\"click\").bind(\"click\",function(){\r\n                                    var text_link = jQuery(this).attr(\"text-link\");\r\n                                     jQuery(\"body\").append(\"<div class=\\\"modal fade in\\\" id=\\\"youtube_text_link\\\" tabindex=\\\"-1\\\" role=\\\"dialog\\\" aria-labelledby=\\\"myModalLabel\\\" style=\\\"overflow-y: scroll; 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